Tutorial - Shooting-Tipps










In diesem Tutorial möchte ich einige allgemeine Tipps geben, die universal (nicht nur bei Shootings) anwendbar sind.

Beherrschen Sie Ihre Kamera!


Es gibt während eines Fotoshootings nichts Unangenehmeres als bockige Technik. Wenn Sie im Eifer des Gefechts nicht mehr wissen, wie Sie eine bestimmte Einstellung an Ihrer Kamera vornehmen und minutenlang in den Kameramenüs herumirren, kommt das ganze Shooting ins Stocken, schlimmstenfalls geraten Sie in Panik und dann funktioniert plötzlich gar nichts mehr.

Lernen Sie daher Ihre Kamera in- und auswendig kennen. Einmal alle Menüpunkte durchprobieren reicht nicht. - Arbeiten Sie das Kamerahandbuch von vorne bis hinten durch und testen alle Einstellungen und Anwendungen so lange, bis Sie sie wirklich begriffen haben. Erst danach entscheiden Sie, welche Punkte für Sie absolut irrelevant sind. (Bei mir war das z.B. die Video- und Bildbearbeitungsfunktionen.) Die für Sie wichtigen Einstellungen oder Tastenkombinationen müssen Sie sich (abrufbar) einprägen.

Es wird (z.B. bei Workshops) gern empfohlen, das Handbuch der Kamera mitzubringen. - Vergessen Sie's. Während Model & Co auf Ihre Anweisungen warten, fehlt Ihnen die Zeit, in einem 300-Seiten-Handbuch rumzublättern und die problematische Einstellung auf Anhieb zu finden. Schlauer ist es, sich die Handbücher Ihres Equipments im PDF-Format auf Ihrem Smartphone/Tablet abzuspeichern. Im Notfall sind Sie dann per Such-Funktion schneller.

Kennen Sie Ihre Objektive!


Bevor Sie ein neues Objektiv mit zu einem Shooting nehmen, sollten Sie sich mit seinen Stärken und Schwächen vertraut machen - und diese auch während des Shootings berücksichtigen.

Wenn beispielsweise ein Objektiv mit einer maximalen Offenblende von 1.8 erst ab einer Blende von 3.5 richtig scharf zeichnet, gilt es, die weit geöffneten Blenden zu vermeiden. Ebenso kann Ihnen ein Objektiv mit einem lahmen Autofokus bei einem Portrait-Shooting gute Dienste leisten, bei einem Action-Shooting werden Sie damit keinen Spaß haben.

Fotografieren Sie im Raw-Format!


Viele Fotografen fotografieren ausschließlich im JPG-Format, da das JPG-Format "wesentlich platzsparender" als das RAW-Format ist.

Ein 24-Megapixel-Bild im Raw-Format ist etwa 26 MB groß ist, also passen rund 120.000 Bilder auf eine 3-TB-Festplatte und über 1.000 Bilder auf eine 32-GB-SD-Karte. - Dieses Argument spielt heutzutage also überhaupt keine Rolle mehr.

Im Jahr 2018 kostet eine externe 3-TB-Festplatte ca. € 100,-, eine (richtig) schnelle 32-GB-SD-Karte etwa € 20-25,-. (Was haben Sie nochmal für Kamera und Objektiv ausgegeben?)

Wenn Sie im JPG-Format fotografieren, verschenken Sie unglaublich viel Potential, das Ihnen die aktuellen Kameraprozessoren liefern. Hierzu ein kleines Experiment mit einem Raw-Bild:

Das erste Bild entstand an einer Vollformatkamera (D750) mit einem 60mm-Objektiv, ISO400, f/2,8 und 1/80s. - Völlig unterbelichtet.

Dieses Bild wurde einer Belichtungskorrektur und leichten Rauschreduzierung in Lightroom unterzogen. Klar gehen bei einer solchen "Rettungsaktion" feine Details verloren (letztes Bild), aber dennoch: "gerettet".

Das Ganze hat gerade einmal 2 Klicks ausgemacht und funktioniert natürlich auch in anderen Raw-Konvertern wie z. B. RawTherapee (Freeware) oder DxO OpticsPro.

Und nun der Rettungsversuch mit einem Jpg-Bild:

Obwohl die Aufnahmeparameter dieselben sind, schafft es auch die hervorragende Rauschreduktion von Lightroom nicht, das heftige Rauschen zu entfernen. Weiterhin bleibt auch die "Plastizität" des Bildes auf der Strecke.

Das Jpg-Format ist halt ein komprimiertes, "verlustbehaftetes" Format (Dateigröße bei Nikon-Einstellung "fine": ca. 13 MB), bei dem - im Vergleich zum Raw-Format (Dateigröße: ca. 26 MB) - bereits eine ganze Menge an Bildinformationen fehlen.

Löschen Sie nie Fotos an der Kamera!


Es gibt nur zwei Arten von Fotos, die ich direkt in der Kamera lösche:

  • schwarze Bilder, nachdem ich vergessen habe, den Objektivdeckel zu entfernen

  • Bilder von meinen Füßen, wenn ich versehentlich beim Einstellen der Kamera ausgelöst habe

Alle anderen Bilder lasse ich, so wie sie sind, auf der Speicherkarte und entscheide erst später am PC, welche Fotos gelöscht werden.

So manches Foto sieht im kleinen Kameradisplay vielleicht unscharf oder unter-/überbelichtet aus. Vielleicht kann man es jedoch später in der Bildbearbeitung problemlos "retten". - Gerade, wenn Sie im Raw-Format fotografieren.

Nur das Nötigste!


Anfangs schleppte ich immer meine komplette Objektivsammlung mit zum Shooting - und war dann bei jedem zweiten Setting damit überfordert, das "richtige" Objektiv auszuwählen. Oder ich wechselte 20 Mal das Objektiv, um mir selber das Gefühl zu verschaffen, den ganzen Kram nicht umsonst mitgeschleppt zu haben.

Überlegen Sie sich lieber im Vorfeld des Shootings, welche Bilder Sie machen möchten und nehmen dann nur die Objektive mit, die sich dafür am besten eignen. Inzwischen habe ich bei einem Shooting maximal drei Objektive dabei (1-2 Festbrennweiten und als "Fallback" mein kleines und leichtes Plastik-Zoom).

Vermeiden Sie die "Dopplung" von Brennweiten. Wenn Sie z.B. (so wie ich) eine Festbrennweite von 35mm haben und ein Weitwinkelzoom 18-35mm, dann nehmen Sie nur eins davon mit.

Locker bleiben!


Wenn Sie bereits mit einem Puls von 120 zum Shooting erscheinen, wird sich Ihre Anspannung über kurz oder lang auf das Model (und ggf. die anderen Beteiligten) übertragen. Das Resultat sind dann verkrampfte bzw. misslungene Bilder.

Sorgen Sie - gerade wenn Sie aufgeregt sind - zunächst für ein wenig Small-Talk, machen dem Model nette Komplimente und besprechen in Ruhe die Settings, die Sie geplant haben. Schnell wird sich eine positive Stimmung einstellen, die Aufregung verflüchtigt sich in kurzer Zeit, und Ihnen (und dem Model) werden entspannt gute Fotos von der Hand gehen.

Will einmal eine Aufnahme partout nicht gelingen, sei es weil das Model eine bestimmte Pose nicht einnehmen kann oder weil Sie Probleme mit der Kamera oder der Lichtsetzung haben, verbeißen Sie sich nicht in das Problem, sondern gehen zum nächsten Setting über und versuchen, die problematische Aufnahme am Schluss zu wiederholen. Bei mir hat das bislang immer geholfen.

Denken Sie auch daran, dass die Fotografie Ihr Hobby ist, und dementsprechend soll es ja auch Spaß machen.

Planung ist alles!


Immer wieder erzählen mir Models, dass sie bei Shootings völlig unvorbereitete Fotografen antreffen, die außer Location und Model im Vorfeld nichts weiter geplant haben. Das kann dann leicht, gerade bei noch unerfahrenen Fotografen bzw. Models, zu einem Chaos- und "Rumprobier"-Shooting ausufern.

Erstellen Sie eine Liste der geplanten Settings mit folgenden Informationen:

  • Location (z.B. "schwarze Hohlkehle", "Treppe")

  • Styling und Outfit des Models - Hierbei ist die vorherige Abstimmung mit dem Model enorm wichtig, um Reihenfolge und notwendige Pausen (z.B. für Kleiderwechsel, Änderung der Frisur etc.) zu planen.

  • Lichtsetup - Überlegen Sie, an welchen Stellen Sie welche Blitze positionieren oder wo ein Reflektor zum Einsatz kommt.

  • Kamera-Setup - Legen Sie Kameraeinstellung und Objektiv fest.

Ich verwende für die Planung der Lichtsituation meiner Settings die Software set.a-light 3D, die Sie für unter 40,- beziehen können.

Hiermit können Sie Ihre Settings nicht nur detailliert planen, Sie erhalten außerdem einen ungefähren Eindruck der beabsichtigten Bildwirkung.

Durch eine sorgfältige Planung und einem "Fahrplan" gelingt Ihr Shooting wie am Schnürchen. - Garantiert!