Tutorial - Beauty Retusche









In der People-Fotografie ist praktisch kein Bild direkt nach der Aufnahme "fertig", und je nach Bild ist mehr (oder weniger) Nacharbeit am PC erforderlich.

Es gibt etliche Programme zur Bildbearbeitung, das bekannteste und gebräuchlichste ist sicherlich Photoshop. Und alleine in dieser Software gibt es unzählige verschiedene Möglichkeiten der Retusche. Ich will hier in diesem Tutorial meinen Workflow (mit Photoshop) bei der Beauty Retusche vorstellen. Die dazu notwendigen Aktionen können Sie hier herunterladen und in das Verzeichnis C:\Users\name\AppData\Roaming\Adobe\Adobe Photoshop CC 2017\Presets\Actions speichern.

Es gibt unendlich viele Tipps und Tutorials, die sich mit der Beauty Retusche beschäftigen, das beste Video-Tutorial, das ich bislang zu diesem Thema in der Hand hatte, heißt Perfekte Schönheit: Styling, Make-up, High-End-Retusche vom Rheinwerk Verlag. Hierin wird nicht nur die Technik und deren Umsetzung anschaulich und ausführlich behandelt, es werden auch eine Menge Hintergrundinformationen (z.B. Anatomie) vermittelt. - Für einen tieferen Einstieg in die Materie kann ich dieses Tutorial sehr empfehlen.

Mein persönlicher Workflow ist bei nahezu jedem Bild gleich:

  • Frequenztrennung

  • Dodge & Burn

  • Hochpassfilter (optional)

  • Google Nik Collection

  • Camera Raw Filter

Ich werde nicht allzu sehr in die Tiefe der angewendeten Techniken abgleiten, das Internet ist voll von hilfreichen Tipps, Anleitungen und Tutorials. Schlussendlich muss jeder Fotograf die für ihn interessanten Techniken selbst auswählen und seinen eigenen, persönlichen Workflow entwickeln.

Hier nun ein Beispiel für eine schnelle Beauty Retusche ...

Frequenztrennung

Problemzonen im High- und Low-Bereich


Mit Hilfe der Frequenztrennung wird das Bild unterteilt in einen "Low"-Bereich (Niedrigfrequenz) und einen "High"-Bereich (Hochfrequenz). Hierbei handelt es sich um eine non-destruktive Technik, in der verschiedene Bilddetails in voneinander unabhängigen, getrennten Ebenen bearbeitet werden.

Der Low-Bereich enthält die Informationen über Ton- und Farbwerte des Bildes, also, Helligkeit, Schatten und Farben/Farbverläufe. Im High-Bereich dagegen sind die Detailinformationen über die Strukturen des Bildes enthalten, (also Linien, Kanten, Hautporen etc.).

In meinem Beispielbild habe ich einige Stellen markiert, die im jeweiligen Bereich korrigiert werden sollen.

Wenn Sie die Aktion "Frequenztrennung" starten, muss zunächst die Stärke des Weichzeichners für die Low-Key-Ebene festgelegt werden. Wählen Sie hier einen Wert, bei dem die Konturen gerade noch erkennbar sind und die Farbverläufe in der Vorschau weich erscheinen.

Nach Abschluss der Aktion stehen zwei neue Ebenen "High Key" und "Low Key" zur Verfügung, das Bild selbst sieht jetzt genauso aus wie zu Beginn.

Auf der Ebene "Low Key" können nun mit einem weichen Mischpinsel die Farbverläufe im Bild sanfter gezeichnet werden. Ein Beispiel ist die Reduktion dunkler Augenringe. Die (hellere) Farbe der Wangenhaut wird mit dem Mischpinsel in den (dunklen) Bereich des Augenschattens "gestrichen". Hierbei ist sehr gut erkennbar, wie bei dieser Technik die Haustruktur erhalten wird.

Auf der "High Key"-Ebene werden mit dem "Reparaturpinsel"-Werkzeug Hautunreinheiten, störende Härchen (z.B. im Augenbrauen-Bereich) oder Fältchen bereinigt entfernt. Alternativ kann hier auch für größere "Reparaturen" das "Bereichskorrektur"-Werkzeug zum Einsatz kommen. Geändert wird auf dieser Ebene ausschließlich die Struktur im Bild.

Dodge & Burn


Durch diese Technik werden Bildbereiche mit dem "Pinsel"-Werkzeug (weich, Deckkraft max. 10%) aufgehellt bzw. abgedunkelt. Für verschiedene Bearbeitungsbereiche (Augen, Haare, Munde, Gesicht) sollten jeweils eigene D&B-Ebenen (mit der Aktion: "Dodge&Burn Layer") angelegt werden.

Ich empfehle, nach dem Aufhellen/Abdunkeln einen leichten Gaußschen Weichzeichner über die D&B-Ebene zu legen und die Deckkraft der Ebene auf höchstens 80% zu verringern. Im Beispiel wurde der Lippenglanz mit Hilfe dieser Technik dezent betont.

Hochpassfilter


Am Hochpassfilter scheiden sich die Geister der Bildbearbeiter. Und tatsächlich kann der Hochpassfilter bei unsachgemäßen Gebrauch die klassischen "Bügelgesichter" hervorrufen. Mit Bedacht angewandt allerdings kann er eine dezente und natürlich wirkende Hautglättung bewirken. Den (zusätzlichen) Hochpassfilter setze ich grundsätzlich nur bei Gesichtern mit unreiner oder fleckiger Haut ein.

Nach dem Start der Aktion "Hochpass" muss zunächst die Stärke des Filters eingestellt werden. Hier sollte "nach Gefühl" mit dem Regler gespielt werden: Die Haut sollte einheitlich und leicht cremig sein (kann ruhig etwas puppenhaft aussehen). Mit Abschluss der Aktion wird die neue Ebene mit einer schwarzen Maske ausgeblendet.

Pinseln Sie nun die Hautbereiche mit einem weißen, weichen Pinsel mit 100% Deckkraft wieder frei und reduzieren die Deckkraft der Ebene auf 50-80% (die Hautporen müssen wieder sichtbar sein).

Google Nik Collection


Die Google Nik Collection ist eine Sammlung von ungemein mächtigen Filter-Werkzeugen, die seit 2016 kostenlos verfügbar ist. Für den Einsatz in der Beauty Retusche ist sicherlich das "Color Efex Pro"-Werkzeug mehr als einen Blick wert. Eine nähere Beschreibung der gesamten Funktionen würde den Rahmen hier sprengen. - Einfach mal runterladen, installieren und ausprobieren ...

Camera Raw Filter

Zum Schluss werden noch einige "globale" Einstellungen am Bild vorgenommen, hierzu werden im Reiter "Grundeinstellungen" - dezent und mit Gefühl - einige Regler angepasst:

  • Belichtung: je nach Bild hoch oder runter

  • Kontrast: leicht hoch

  • Lichter: runter

  • Tiefen: je nach Bild hoch oder runter

  • Weiß: hoch

  • Schwarz: runter

  • Klarheit: je nach Bild hoch oder runter

  • Dynamik: hoch

Sollte die Haut noch zu "farbstichig" sein, wird im Reiter "Farbmanagement" die Luminanz von "Orange" etwas hoch- und die "Sättigung" etwas runtergeregelt. Evtl. können je nach Bedarf noch die anderen Farben angepasst werden.

Abschließend sollte die Deckkraft der Ebene auf höchstens 80% reduziert werden.