Tutorial - Beauty Retusche (Affinity Photo)









Es muss nicht immer Photoshop sein ...

Nach langen Jahren der Nutzung habe ich mich entschlossen, das Adobe-Abo zu kündigen und mit einer alternativen Software zu versuchen, die Beauty-Retusche meiner Bilder umzusetzen. - Obwohl zu diesem Zweck viele gute Programme existieren, habe ich mich für dasjenige entschieden, das meiner Meinung nach am ehesten an die Funktionalität von Photoshop herankommt: Affinity Photo (Vollversion: € 55,-)

In der Beauty-Retusche ist Affinity Photo deshalb eine erstklassige Wahl, weil seine Werkzeuge Nachbelichten und Abwedeln, Klonen oder Reparaturpinsel der Mächtigkeit von Photoshop-Werkzeugen inzwischen in nichts nachstehen. Mit den Filter-Ebenen und der implementierten Frequenztrennung übertrifft Affinity Photo sein großes Vorbild sogar.

Mein Workflow bei der Beauty-Retusche ist nach dem Wechsel zu Affinity Photo fast unverändert:

  • Entfernung grober Unreinheiten

  • Frequenztrennung

  • Dodge & Burn

  • Hochpassfilter (optional)

  • Google Nik Collection (optional)

Ich werde nicht allzu sehr in die Tiefe der angewendeten Techniken abgleiten, das Internet ist voll von hilfreichen Tipps, Anleitungen und Tutorials. Schlussendlich muss jeder Fotograf die für ihn interessanten Techniken selbst auswählen und seinen eigenen, persönlichen Workflow entwickeln.

Hier nun ein Beispiel für eine schnelle Beauty Retusche ...

Entfernung grober Unreinheiten


Zunächst werden die groben und deutlich sichtbaren Hautstörungen mittels Reparaturpinsel bzw. dem Restaurieren-Werkzeug bearbeitet.

In meinem Beispielbild habe ich einige Stellen markiert, die im ersten Schritt korrigiert werden sollen.

Frequenztrennung


Mit Hilfe der Frequenztrennung wird das Bild unterteilt in einen "Low"-Bereich (Niedrigfrequenz) und einen "High"-Bereich (Hochfrequenz). Hierbei handelt es sich um eine non-destruktive Technik, in der verschiedene Bilddetails in voneinander unabhängigen, getrennten Ebenen bearbeitet werden.

Der Low-Bereich enthält die Informationen über Ton- und Farbwerte des Bildes, also, Helligkeit, Schatten und Farben/Farbverläufe. Im High-Bereich dagegen sind die Detailinformationen über die Strukturen des Bildes enthalten, (also Linien, Kanten, Hautporen etc.).

Die Frequenztrennung ist bei Affinity Photo richtig gut umgesetzt: Anders als bei Photoshop reicht es, den entsprechenden Filter im Menü auszuwählen. In der Vorschau wird der High- und Low-Bereich zur direkten Begutachtung gegenübergestellt.

Bei Radius sollte nun ein Wert gewählt werden, bei dem im (rechten) Low-Bereich die Details (z.B. Wimpern) nicht mehr zu erkennen sind.

Auf der "Low Key"-Ebene werden nun mit dem Reparaturpinsel die Farbstörungen angepasst. Ein Beispiel ist die Reduktion dunkler Augenringe. Die (hellere) Farbe der Wangenhaut wird mit dem Reparaturpinselpinsel in den (dunklen) Bereich des Augenschattens übertragen. Hierbei ist sehr gut erkennbar, dass die Haustruktur erhalten wird.

Im Beispielbild habe ich z. B. die Augenschatten etwas aufgehellt, die rötlichen Stellen am Hals ausgebessert und die durchscheinende Kopfhaut ein wenig abgedunkelt.

Auf der "High Key"-Ebene ist nun Feinarbeit angesagt. Mit dem "Restaurieren"-Werkzeug werden feine Hautunreinheiten, einzelne Härchen oder Fältchen bereinigt. Geändert wird auf dieser Ebene ausschließlich die Struktur im Bild.

Dodge & Burn


Durch diese Technik werden Bildbereiche mit dem "Pinsel"-Werkzeug (weich, Deckkraft max. 10%) auf einer grauen Füllungsebene im Mischmodus "weiches Licht" aufgehellt bzw. abgedunkelt. Für verschiedene Bearbeitungsbereiche (Augen, Haare, Munde, Gesicht) sollten jeweils eigene D&B-Ebenen angelegt werden.

Ich empfehle, nach dem Aufhellen/Abdunkeln einen leichten Gaußschen Weichzeichner über die D&B-Ebene zu legen und die Deckkraft der Ebene auf höchstens 80% zu verringern. Im Beispiel wurde der Lippenglanz mit Hilfe dieser Technik dezent betont.

Hochpass-Filter

Der Hochpassfilter ist eins der mächtigsten Werkzeuge in der Bildbearbeitung - und sollte demgemäß mit Bedacht angewandt werden. Er kann eine dezente und natürlich wirkende Hautglättung bewirken.

Zunächst wird das Bild auf einer neuen Ebene invertiert und in den Mischmodus "hartes Licht" versetzt. Dann wird der Dialog für den Hochpassfilter aufgerufen: Die Haut sollte einheitlich und leicht cremig sein (kann ruhig etwas puppenhaft aussehen). Anschließend wird die Ebene mit einer schwarzen Maske ausgeblendet.

Pinseln Sie nun die Hautbereiche mit einem weißen, weichen Pinsel mit 100% Deckkraft wieder frei und reduzieren die Deckkraft der Ebene auf 50-80% (die Hautporen müssen wieder sichtbar sein).

Google Nik Collection


Die Nik Collection (früher "Googel Nik Collection") ist eine Sammlung von ungemein mächtigen Filter-Werkzeugen, die eine Zeit lang kostenlos verfügbar war, 2018 von DxO erworben, weiterentwickelt und nun für ca. 149,- verkauft wird. Mit ein wenig Glück können Sie noch die ältere (kostenlose) Variante im Internet ergattern.

Innerhalb von Affinity Photo können Sie die Nik Collection als ganz normale Filter (wie bei Photoshop) verwenden.

Für den Einsatz in der Beauty Retusche ist sicherlich das "Color Efex Pro"-Werkzeug der Nik Collection mehr als einen Blick wert. Eine nähere Beschreibung der gesamten Funktionen würde den Rahmen hier sprengen. - Einfach mal runterladen, installieren und ausprobieren ...