Bare-Bulb-Blitz








Entfesseltes Blitzen ist ein extrem wichtiges Feature beim Shooting, egal ob im Studio oder "on Location". Da Sie vermutlich bei Ihren Shootings mobil in den meisten Fällen unterwegs sind, benötigen Sie mobile Blitztechnik.

Hardware

Zum mobilen Blitzen benötigen Sie Blitzgeräte, die folgende Eigenschaften aufweisen sollten:

  • leicht, portabel und überall mit hinzunehmen (Größe, Gewicht)

  • unabhängig von Steckdosen betreibbar (Mobilität)

  • nicht teurer als Ihre gesamte restliche Kamera-Ausrüstung (Preis)

Mobile Profiblitze (z.B. von Elinchrom) starten bei ca. € 1.500,- (Blitzkopf und Akku Pack), also liebäugelte ich mit einer preiswerteren Lösung, den Porty-Blitzen von Jinbei für ca. € 450,- (Blitzkopf und Akku Pack). Nachdem ich allerdings realisiert hatte, dass ich mindestens 2, besser 3 oder 4 Blitze für meine Shootings benötige, verwarf ich den Gedanken schnell wieder. Nach langem Überlegen und unendlichen Internet-Recherchen bin ich auf die für mich ideale Lösung gestoßen: manuelle Aufsteckblitze aus China (Yongnuo YN-560 Mark III). Diese sind natürlich nicht so leistungsstark wie ihre teuren Brüder, bieten aber einige unschlagbare Vorteile:

  • Größe/Gewicht: Aufsteckblitze wiegen fast nichts und passen in jede Fototasche.

  • Mobilität: Die Blitze können mit normalen AA-Akkus, zur Not auch mit Batterien betrieben werden.

  • Preis: Für ca. € 65,- pro Blitz habe ich mir gleich eine ganze Batterie dieser Blitze zugelegt.

  • Gimmick: Die Yongnuos haben (ab der Version III) einen eingebauten Funkempfänger - in Verbindung mit dem Funktrigger Yongnuo RF603NII (Nikon) oder dem Controller Yongnuo YN560-TX eine unschlagbar günstige (und zuverlässige) Blitzsteuerung.

Und hier der absolute Budget-Tipp: Wenn Sie ein wenig Bastel-Gen (und Mut) in sich haben, können Sie zwei günstige China-Blitze umbauen, bündeln und einen Leistungsgrad von über 70% eines vielfach teureren Porty-Blitzes erreichen.

Auf die Idee brachte mich die Lektüre des Buches "Just One Flash!" von Thilo Gockel. Er hatte aus zwei Yongnuo-Blitzen die Blitzröhren herausoperiert und diese außerhalb der Gehäuse in ein Gitarrenröhrchen gesetzt (diese Art der Blitzmodifikation nennt sich „Bare-Bulb“). Die Bauanleitung dieses "Ultra-Portys" finden Sie außer im Buch auch auf Fotopraxis.net. Hier sind auch sehr genau die technischen Details erläutert (viel besser, als ich es jemals könnte), es wurden außerdem Leistungsvergleiche mit dem Jinbei-Porty angestellt.

Ich habe gemäß dieser Anleitung einen solchen "Ultra-Porty" nachgebaut (war gar nicht so schwer) - und war begeistert. Allerdings war ich mit dieser Lösung nicht zu 100% zufrieden, da ich einen modulareren Aufbau haben wollte: Beim "Ultra-Porty" sind die beiden Blitze fest miteinander verbunden, ich wollte sie jedoch nur bei Bedarf "zusammenstöpseln", zumal ich oft nur die Leistung eines einzelnen Blitzes benötige. Also modifizierte ich Herrn Gockels Lösung und baute mir eine Reihe von „Bare-Bulb“-Blitzen, die mich inzwischen auf allen meinen Shootings (auch im Studio) begleiten.

Umbauanleitung


Der gesamte Umbau dauert bei mir etwa 1 Stunde - und ich bin weder mit Spezialwerkzeug oder einer extra Werkstatt ausgestattet noch bin ich der geborene Hobby-Elektroniker.

Wichtig: Wenn Sie einen Aufsteckblitz wie in diesem Tutorial beschrieben umbauen wollen, haben Sie es mit gefährlicher Hochspannung zu tun. - Und zwar auch, wenn vorher die Akkus entnommen wurden. Der Kondensator, der bei der Blitzzündung die komplette Leistung in Sekundenbruchteilen abgibt, ist immer noch geladen. Meine Empfehlung ist daher, den Blitz auf schwächster Leistung ein paarmal auslösen, dann die Akkus entnehmen und den Aufsteckblitz einige Tage liegen lassen. - Und selbst dann kann sich immer noch Restladung im Kondensator befinden. Ich habe bei meinen ersten Experimenten durch meine Unbedachtheit „eine geschossen bekommen“. Glauben Sie mir, das möchten Sie nicht erleben: Mir schmorte ein halber Fingernagel weg, und noch zwei Stunden später habe ich so gezittert, dass ich kein Glas Wasser halten konnte. - Und ich bin kerngesund! Im Internet entdeckte ich (später!) einen Vergleich: Ein 1 kg schwerer Stein, der einem aus 1 m Höhe auf den Kopf fällt. - Das passte.

Also: Lassen Sie die gebotene Vorsicht walten und im Zweifelsfall bitten Sie lieber jemanden, der sich mit Elektronik bzw. Hochspannung auskennt, Ihnen zu helfen.

Noch etwas: Ich weise darauf hin, dass Sie den Umbau auf eigene Gefahr und eigenes Risiko durchführen. - Für Schäden jeglicher Art beim Umbau oder bei der Verwendung der modifizierten Blitze übernehme ich keine Haftung, Weiterhin verlieren Sie durch den Umbau natürlich Ihre Gewährleistungsansprüche, umtauschen können Sie einen umgebauten Blitz nicht mehr.

Teileliste


Für den Umbau benötigen Sie erstaunlich wenig Material. Ich habe es nachfolgend in einer kleinen Einkaufsliste zusammengestellt:

Bauteil

Preis (ca.)

Quelle

Yongnuo-Blitz YN560 III / IV

65,-

Amazon, Ebay

Dunlop Slidebar für Gitarre (dünnes Glas)

6,-

Amazon, Ebay

ALU Flachstange, 20 x 2 mm, 1 m

3,-

Baumarkt

1 Stück dickes Blech, ca. 5 x 10 cm (Zuschnittsrest)

wenige Cent

Schlosser, Baumarkt

je 2 Schrauben, Muttern, Unterlegscheiben M3 oder M4

wenige Cent

Baumarkt

ein paar Schrumpfschläuche

wenige Cent

Elektrofachmarkt

3 Kupferlitzen

wenige Cent

Elektrofachmarkt

ein paar Kabelbinder

wenige Cent

Elektrofachmarkt

Sugru selbst härtender Silikongummi

16,-

Amazon

Alternative: Quicksteel selbst härtende Reparaturpaste

10,-

Amazon

Teile Bare-Bulb

Insgesamt dürften Sie mit unter € 80,- Materialkosten (inklusive Blitz) zurecht kommen (die Preise bei Amazon bzw. Ebay variieren von Tag zu Tag). Ich verwende den Yongnuo YN560 III aufgrund seines eingebauten Funkempfängers, da ich so eine zusätzliche Komponente spare.

Persönlich ziehe ich die Reparaturpaste dem Silikongummi vor, da sie innerhalb von 15 Minuten aushärtet (der Silikongummi benötigt ca. 24 Stunden). Außerdem ist das Röhrchen mit der Paste wieder verschließbar und Sie erhalten wesentlich mehr Paste für weniger Geld.

Blitz-Demontage

Öffnen Sie nun den Blitz: Zunächst entfernen Sie die beiden (aufgeklebten) Gummi-Seitenblenden und die vier Metallklammern, anschließend lösen Sie die beiden Schrauben an der unteren Abdeckung.

Jetzt können Sie die untere Abdeckung abnehmen. - Weiter sollten Sie den Blitz nicht auseinanderbauen, das erspart im späteren Verlauf des Umbaus einige Fummelei.

Markieren Sie die drei weißen Kabel farbig nahe der Platine und am anderen Ende. - Das hatte ich anfangs vergessen, im späteren Verlauf hatte ich dann einen Mordsspaß, die Kabel wieder korrekt zu verbinden.

Trennen Sie nun die drei weißen Kabel etwa in der Mitte durch, wobei Sie an der Platine noch ca. 3 bis 4 cm Kabel übrig lassen.

Die Blitzröhre ist durch ein Gummiband an der Unterseite des weißen Reflektorhalters befestigt. Ziehen Sie dieses z.B. mit einem kleinen Schraubenzieher heraus und durchtrennen es.

Jetzt können Sie dir Blitzröhre seitlich aus dem Reflektor herausziehen.

Anschließend isolieren Sie die Kabel (äußerst vorsichtig) ab, verbinden Sie mit den Kupferlitzen und sichern die Verbindungen mit Schrumpfschlauch.

Versuchen Sie, die Blitzröhre nach Möglichkeit nicht zu berühren.

Befestigung


Nun geht es an den aufwändigen Teil unseres Umbaus, die Haltevorrichtung für die Blitzröhre.

Die Basis der Halterung sollte ca. 5 cm betragen, die Seitenlänge ca. 6-7 cm. Bohren Sie in die Basis 2 Löcher (3 oder 4 mm, entsprechend Ihren Schrauben) im Abstand von ca. 3 cm und biegen Sie die Flachstange in etwa so wie auf dem Bild zu sehen zurecht.

Als Schablone für das Basisblech nehmen Sie die Kunststoff-Streulichtblende aus dem Blitz. Der eigentliche Zuschnitt erfolgt mittels Blech- oder Haushaltsschere.

Bohren Sie nun im unteren Drittel des Basisblechs 2 Löcher analog zur Halterung (diese als Schablone benutzen) und am äußeren Rand nochmals 2 Löcher (für die spätere Kabeldurchführung).

Befestigen Sie nun mit zwei Klecksen der (gut durchgekneteten) Reparaturpaste (bzw. dem Silikongummi) das Röhrchen an der Halterung. Achten Sie darauf, dass das Röhrchen gerade zwischen den beiden Haltern sitzt. Bei Verwendung der Reparaturpaste haben Sie jetzt ca. 15 Minuten Pause, das Silikongummi benötigt 24 Stunden zur Aushärtung.

Vorsicht: Die Gitarrenröhrchen haben den Drang, runterzufallen und dann grundsätzlich immer kaputtzugehen.

Vor der Montage sollten Sie das Röhrchen von Aufklebern, Schmutz und Fingerabdrücken befreien, am besten funktioniert das mit Alkohol.

Zusammenbau

Jetzt führen Sie die Blitzröhre in das Glasröhrchen ein und fixieren es mit zwei Klecksen Reparaturpaste.

Nach der Aushärtung wird die Halterung auf die Basisplatte geschraubt, die Kabel der Blitzröhre durch die Führungslöcher geführt und mit den Kabeln an der Platine wieder (korrekt) verbunden.

Abschließend bauen Sie das Gehäuse wieder zusammen (die Seitenblenden werden mit normalem Haushaltskleber wieder angeklebt).

Halterung


Zur Blitzbefestigung auf einem Stativ eignen sich handelsübliche Blitzhalterungen in „S-Form“ (links, < € 20,- bei Amazon) oder in „T-Form/L-Form“ (rechts, ca. € 30,- bei Foto-Morgen). Beide haben einen Bowens-Type-S-Adapter und nehmen somit alle möglichen Lichtformer auf.

Die T-Form habe ich insoweit modifiziert, dass ich zwei Blitze daran schrauben kann. Hierzu habe ich einfach eine Metallschiene mit 3 Löchern versehen und zwei Blitzschuhe dran befestigt. - So kann ich bei Bedarf nach mehr Blitzleistung zwei meiner Bare-Bulb-Blitze bündeln.

Tipp: Sollten Sie einen älteren Blitz ohne eingebauten Funkempfänger verwenden, benötigen Sie einen extra Empfänger. Um nun auf der Halterung wackelige "Stapelkonstruktionen" (Blitz auf Funkempfänger und Funkempfänger auf Halterung) zu vermeiden, empfiehlt es sich, die Blitze per PC-Sync-Kabel zwischen der entsprechenden Buchse an Empfänger und Blitz anzusteuern. Ein weiterer Vorteil bei dieser Methode: Bei Verwendung eines "Y"-Kabels genügt ein einzelner Funkempfänger, um zwei Blitze anzusteuern. Die Kabel können Sie problemlos für wenige Euro über Ebay im Land der aufgehenden Sonne beziehen.

Einsatz

Da die umgebauten Blitze natürlich nicht mehr in die mitgelieferte Blitztasche passen, stellte sich mir die Frage des sicheren Transports.

Hierzu habe ich eine ausrangierte Notebooktasche mit etwas Schaumgummi ausgefüttert, und so kam ich zu meiner "Blitz-Handtasche", die mich auf sämtlichen meiner Shootings begleitet.

Als ein weiteres - extrem hilfreiches - Ausrüstungsteil kann ich Ihnen den äußerst praktischen Yongnuo YN560-TX Wireless-Flash-Controller (ca. € 38,- bei Amazon) empfehlen. Damit regle ich die Leistung meiner Blitze per Funk.

Sehr von Vorteil, wenn der Blitz auf einem ausgefahrenen Stativ sitzt und ich jedes Mal auf eine Leiter steigen müsste, um die Blitzleistung zu justieren. Das funktioniert allerdings nur bei den Yongnuo-Blitzen ab der Version YN560 III (da das Feature der Funk-Regelung erst in diesen Blitzen implementiert wurde).