Objektive - Telebrennweiten








Die klassischen Einsatzbereiche von Telezooms (eigentlich allen Zooms) sind meiner Meinung nach Situationen, in denen der eigene Standort nicht verändert werden kann, also z.B. bei

  • Sportveranstaltungen

  • Modeschauen

  • Tierfotografie

Ich persönlich bin kein Fan von langen Brennweiten. Normalerweise ist bei mir in der Modelfotografie bei maximal 135 mm Feierabend, die klassischen Telezooms sind mir zu groß und zu schwer.

Dennoch ist es manchmal nicht schlecht, "nach oben" etwas an Reservebrennweite zu haben. Obwohl ich seinerzeit mein phantastisches Nikon AF-S Nikkor 70-200 mm f/4 ED VR wieder verkaufte (weil ich es praktisch nie benutzt habe), wollte ich nicht gänzlich auf ein Telezoom verzichten. - Allerdings suchte ich nach einer preislich vernünftigen Alternative für den (bei mir) seltenen Einsatz ...

Die Kandidaten


Auf die technischen Eigenschaften bzw. Herstellerangaben gehe ich nicht weiter ein. Es handelt sich allesamt um Objektive, die schon eine ganze Zeit am Markt sind und dementsprechend ausgiebig und professionell getestet wurden. Hier gebe ich folglich ausschließlich meine subjektiven Eindrücke weiter.

Nikon AF-S Nikkor 85 mm f/1,8 G


Knackscharfe Abbildungsleistung, flotter Autofokus und seine Lichtstärke machen dieses Objektiv zur perfekten Portrait-Linse. Zwar kann es aufgrund seiner "Plastik-Haptik" nicht mit den vorangegangenen Objektiven mithalten, trotzdem ist es definitiv (auch aufgrund seines geringen Gewichts) eine meiner Lieblings-Optiken. Für eine von Nikons besten AF-S-Festbrennweiten ist es zudem noch "relativ" erschwinglich.

Eigenschaft

Bewertung

Brennweite

85 mm

max. Blende

1.8

Preis (ca.)

550,-

Gewicht

350 g

Gehäuse

Plastik

Matt Granger hat auf Youtube die beiden Objektive Nikon AF-S 85mm 1.4 (ca. € 1.550,-) und Nikon AF-S 85mm 1.8 (ca. € 450,-) in einem Praxistest miteinander verglichen. Sein Fazit: "Das 1.8'er kann zu 95% das, was das 1.4'er auch kann - zu einem Drittel des Preises."

Nikkor AF 70-210 mm f/4


Das Objektiv wurde lediglich von 1986-1988 gebaut. Trotz hervorragender Haptik und Abbildungsleistung ist es (in gutem Zustand) bei Ebay aktuell für etwa 150,- zu haben. Es verfügt über einen Drehzoom-Ring und einen flotten (AF-)Zoom und ist vom Handling her durchaus mit den aktuellen (und 10- bis 30-mal so teuren) AF-S-Telezooms zu vergleichen, lediglich auf den Bildstabilisator und den (noch schnelleren) eingebauten Autofokus muss man verzichten.

Eigenschaft

Bewertung

Brennweite

70 - 210 mm

max. Blende

4.0

Preis (ca.)

150,-

Gewicht

760 g

Gehäuse

Metall

Nikkor AF-D 70-210 mm f/4-5.6


Hierbei handelt es sich um den Nachfolger des vorangegangenen AF 70-210 f/4, gebaut wurde es von 1987-2000. Da es günstiger als sein Vorgänger produziert wurde, reicht es von der Haptik nicht ganz an diesen heran (obwohl es immer noch ganz gut mit aktuellen Linsen mithalten kann). Außerdem ist es etwas lichtschwächer, und es handelt sich um ein Schiebezoom, was für den ein oder anderen gewöhnungsbedürftig sein könnte.

Eigenschaft

Bewertung

Brennweite

70 - 210 mm

max. Blende

4.0 - 5.6

Preis (ca.)

100,-

Gewicht

590 g

Gehäuse

Metall

Dennoch handelt es sich um ein gutes und kompaktes Objektiv mit einer durchaus akzeptablen Abbildungsleistung, das Sie bei Ebay für rund 100,- abstauben können.

Serie E 70-210 mm f/4


Der (manuelle) Vorgänger der beiden vorangegangenen Objektive ist ein "Billigheimer" der Series E. - Wobei dieser hauptsächlich aus Metall gefertigt ist und sich bei Haptik und Abbildungsleistung keinerlei Schwächen leistet. Wer auf den Autofokus verzichten kann und Spaß an der manuellen Fotografie hat, bekommt dieses starke Objektiv bei Ebay für weniger als eine Tankfüllung nachgeschmissen.

Eigenschaft

Bewertung

Brennweite

70 - 210 mm

max. Blende

4.0

Preis (ca.)

50,-

Gewicht

730 g

Gehäuse

Metall

An (günstigen) Halbformat-Kameras würde ich diesem Objektiv gegenüber den beiden AF-Linsen den Vorzug geben. Da es sich um ein rein manuelles Objektiv handelt, ist der Fokus wunderbar exakt einzustellen. - AF-Objektive bieten an Kameras ohne eigenen AF-Motor sowieso keinen Autofokus und haben einen wesentlich kleineren (und unbequemeren) Fokusring.

Nikon Nikkor 135 mm f/2.8 AI-s


Dieses lichtstarke Schätzchen wurde von 1983-2005 gebaut, auf diversen Webseiten wird behauptet, es sei eine der schärfsten Linsen, die Nikon jemals gebaut hat. (Es ist definitiv eine der schärfsten Optiken, die ich besitze.) Für eine lange Brennweite von 135 mm ist das Objektiv erstaunlich kompakt, Haptik und Abbildungsleistung sind aufgrund der spitzenmäßigen Materialien und Verarbeitung hervorragend.

Selbstverständlich habe ich dieses Objektiv gechippt und somit besitze ich ein perfektes manuelles Objektiv, das sich vor den teuren Profi-Linsen nicht verstecken muss.

Eigenschaft

Bewertung

Brennweite

135 mm

max. Blende

2.8

Preis (ca.)

200,-

Gewicht

430 g

Gehäuse

Metall

The Angry Photographer hat in einem seiner (wirklich unterhaltsamen) Youtube-Videos (englischsprachig) das Objektiv vorgestellt, sein Fazit: "Sie sind blöd, wenn Sie dieses Objektiv nicht kaufen."

Series E 100 mm f/2,8


Das ultraleichte und kompakte 100 mm-Objektiv stammt aus der Serie E-Ära 1979-1987 und wartet trotz Kunststoffgehäuse mit einer hervorragenden Verarbeitungsqualität auf.

Eigenschaft

Bewertung

Brennweite

100 mm

max. Blende

2.8

Preis (ca.)

120,-

Gewicht

215 g

Gehäuse

Plastik

Matthew Durr hat das Objektiv ausgiebig getestet und hält es nicht nur für das beste aus der E-Serie, seiner (und meiner) Meinung nach kann es von seiner Abbildungsleistung her mit wesentlich teureren Objektiven mithalten.

Test am Vollformat (FX)








Der Versuchsaufbau ist genau wie beim 50mm-Test denkbar einfach: Die Testbilder schoss ich bei 85, 100, 135 und bei 210. Da die Telezooms nur über eine Maximalblende von 4 verfügen, beschränkte ich mich auf den Vergleich von Blende 4 bzw. Offenblende und Blende 8. Mit einer Belichtungszeit von 1/160s (Blitz) bei ISO 100 habe ich nahezu gleiche Lichtbedingungen generiert.

Als Referenzen dienten meine drei Tele-Festbrennweiten Nikon AF-S Nikkor 85 mm f/1,8 G, Series E 100 mm f/2,8 und Nikon Nikkor 135 mm f/2.8 AI-s.

Die Beispielfotos wurden allesamt im Raw-Format aufgenommen und werden hier komplett unbearbeitet gezeigt. Zur Schärfebeurteilung ziehe ich lediglich die extreme Vergrößerung des rechten Auges heran, da in der Portraitfotografie die Randschärfe normalerweise keine große Rolle spielt.

Fazit

Weder bei Offenblende noch bei weiter geschlossenen Blenden leistet sich auch nur eines der vorgestellten Objektive bemerkenswerte Schwächen, Unterschiede in der Schärfe muss man schon wirklich genau suchen, Für die angegebenen Preise erhält man einwandfreie Optiken, die qualitativ den teuren Top-Zooms (zumindest in der Portraitfotografie) durchaus die Stirn bieten können.

Bei den vorgestellten Telezooms kann ich eine klare Empfehlung aussprechen:

Am Vollformat bevorzuge ich das Nikkor AF 70-210 mm f/4. Obwohl es älter ist als das Nikkor AF-D 70-210 mm f/4-5.6, arbeitet es sich (meiner Meinung nach) im Praxiseinsatz mit dem "4"-er wesentlich flüssiger, da es sich von der Bedienung her viel näher an den "modernen" Profi-AF-S-Objektiven positioniert. Zum einen ist der Drehzoom bequemer zu bedienen und zum anderen bleibt die Länge des Objektivs unabhängig von der Zoom-Einstellung konstant.

Bei der Verwendung an günstigen Kamera-Bodies ohne eigenen Autofokus-Motor (z.B. D3300) geht meine Empfehlung zum Serie E 70-210 mm f/4, da mir die manuelle Fokussierung mit den AF-Objektiven im Vergleich zum "richtigen" manuellen Objektiv aufgrund der sehr schmalen Fokusringe zu fummelig ist.