Objektive - Normalbrennweiten






Im Lauf der Jahre haben sich in meinem Objektivpark einige Objektive angesammelt, darunter auch ein paar extrem günstige Linsen aus der analogen Zeit. In einschlägigen Foren lese ich oft, dass alte Objektive "... die neuen hochauflösenden Kamerasensoren nicht ausreizen ...". Dem wollte ich einmal auf den Grund gehen und ließ die verschiedenen Objektive gegeneinander antreten.

Die Kandidaten


Auf die technischen Eigenschaften bzw. Herstellerangaben gehe ich nicht weiter ein. Es handelt sich allesamt um Objektive, die schon eine ganze Zeit am Markt sind und dementsprechend ausgiebig und professionell getestet wurden. Hier gebe ich folglich ausschließlich meine subjektiven Eindrücke weiter.

AF-S Nikkor 50 mm f/1,8 G


Die günstige 50'er Festbrennweite ist mein "immer-dabei"-Objektiv, es ist leicht, handlich und der Autofokus ist schnell. Da es sich um ein AF-S-Objektiv handelt, kann es problemlos sowohl an FX-Kameras als Normalbrennweite und an DX-Kameras als leichtes Teleobjektiv verwendet werden.

Eigenschaft

Bewertung

Brennweite

50 mm

max. Blende

1.8

Preis (ca.)

210,-

Gewicht

186 g

Gehäuse

Plastik

AF-S Micro Nikkor 60 mm f/2,8 G ED


Meine 60'er Festbrennweite ist das schärfste Objektiv in meiner Sammlung, es ist noch relativ leicht und mit einem flotten Autofokus ausgestattet. Obwohl es eigentlich ein Makro-Objektiv ist, eignet es sich hervorragend als Portrait-Objektiv sowohl an FX- als auch an DX-Kameras. Allerdings ist es eines meiner teuersten Objektive.

Eigenschaft

Bewertung

Brennweite

60 mm

max. Blende

2.8

Preis (ca.)

580,-

Gewicht

259 g

Gehäuse

Plastik

Nikon AF Nikkor 35-70 mm f/2,8 D


Dieses Objektiv ist der Vorgänger von Nikons Profi-Zoom 24-70 und folglich nur noch gebraucht zu haben. Im Gegensatz zum Nachfolger verzichtet man bei diesem Objektiv auf 11 mm Brennweite im Weitwinkelbereich und auf einen Bildstabilisator. Auch der Autofokus ist langsamer als die moderne Optik, und er funktioniert nur an Kameras mit einem eingebauten Fokusmotor. Weiterhin handelt es sich um ein Schiebe-Zoom, d.h. das Objektiv wird zum Zoomen rausgeschoben (und nicht gedreht).

Eigenschaft

Bewertung

Brennweite

35-70 mm

max. Blende

2.8

Preis (ca.)

280,-

Gewicht

664 g

Gehäuse

Metall

Wer jedoch mit diesen Punkten leben kann, bekommt für ein Zehntel des Preises des aktuellen Modells eine Profi-Linse - denn nichts anderes ist dieses Objektiv. Hauptsächlich aus Metall gefertigt verfügt es über eine wunderbare Haptik und vermittelt eine hohe Wertigkeit. Im Vergleich zum Nachfolger wiegt es nur etwas mehr als die Hälfte und ist wesentlich handlicher.

Obwohl gebrauchte Exemplare mindestens 10 Jahre auf dem Buckel haben, sind sie sehr begehrt - was sich auf den recht hohen Gebrauchtpreis (in gutem Zustand) niederschlägt. Außerdem sollen Exemplare mit getrübten Innenlinsen im Umlauf sein, hier empfiehlt es sich, das vorher beim Verkäufer abzufragen.

Nikon AF Nikkor 28-70 mm f/3,5-4,5 D


Es handelt sich um ein kleines, handliches Universalzoom im Standard-Brennweitenbereich. Obwohl es nicht mit hohen Anfangsblenden punkten kann, eignet es sich aufgrund seiner geringen Abmessungen, des geringen Gewichts und des erfreulich kleinen Preises für Städtetouren und als Backup-Linse für die Model-Fotografie. Da es keinen eigenen Motor für den Autofokus mitbringt, funktioniert dieser nur an Kameras mit eingebautem Motor.

Eigenschaft

Bewertung

Brennweite

28-70 mm

max. Blende

3.5 - 4.5

Preis (ca.)

100,-

Gewicht

353 g

Gehäuse

Plastik

Auch wenn das Gehäuse hauptsächlich aus Kunststoff besteht, ist das Objektiv von der Verarbeitungsqualität und der Haptik her nicht zu verachten.

Nikon AF Nikkor 28-80 mm f/3,5-5,6 D


Das 28-80 D ist ein echter Geheimtipp. Trotz seiner recht schwachen Maximalblenden und der günstigen Verarbeitung kann es mit einer sehr guten Haptik und einem unglaublich günstigen Preis aufwarten. Wie bei allen AF-Objektiven funktioniert der Autofokus nur, wenn die Kamera einen Motor mitbringt.

Eigenschaft

Bewertung

Brennweite

28-80 mm

max. Blende

3.5 (3.3) - 5.6

Preis (ca.)

50,-

Gewicht

264 g

Gehäuse

Plastik

Das 28-80 G ist ein "Kaugummi-Automat-Objektiv". An diesem Objektiv ist alles - auch die Linsen - aus Kunststoff gefertigt und es ist ziemlich klapprig. Mit diesem Objektiv würde ich niemals die Kamera alleine am Objektiv halten, da hätte ich Angst

Aber: Das Teil wiegt und kostet fast nichts - und macht - überraschenderweise - super Fotos.

Series E 50 mm f/1,8


Ob sie es glauben oder nicht: Dieses Objektiv war trotz Kunststoffgehäuse lange Zeit eine meiner Lieblings-Optiken. Interessanterweise werden heutzutage viele (teure) Objektive als Massenware in China mit Kunststoffgehäusen hergestellt, die belächelten Objektive der Serie E können jedoch in Bezug auf ihre Verarbeitungsqualität locker mit aktuellen Linsen mithalten.

Eigenschaft

Bewertung

Brennweite

50 mm

max. Blende

1.8

Preis (ca.)

50,-

Gewicht

135 g

Gehäuse

Plastik

Das Series E 50 mm ist ein komplett manuelles Objektiv, also ohne Autofokus und mit manueller Blendeneinstellung. Dennoch ist es ist ein Genuss, mit dieser winzigen 50 mm-Linse (manuell) zu fotografieren.

Nikon Nikkor 50mm f/1.8 AI-s


38,- hat mich dieses Objektiv gekostet. Aktuell hat der Preis ordentlich angezogen, und unter 100,- dürfte man nur mit Glück ein gut erhaltenes Exemplar bekommen. Im Vergleich zum 50'er der Series E wurde an diesem Objektiv wesentlich mehr Metall verbaut, es vereint alle positiven Eigenschaften des "kleinen Bruders" mit noch besserer Abbildungsleistung und Haptik.

Eigenschaft

Bewertung

Brennweite

50 mm

max. Blende

1.8

Preis (ca.)

100,-

Gewicht

145 g

Gehäuse

Metall/Kunststoff

Test am Vollformat (FX)







Der Versuchsaufbau ist denkbar einfach: Da ich sowieso meistens im Normalbrennweitenbereich unterwegs bin, schoss ich mit meinen Objektiven dasselbe Bild bei 50 mm Brennweite bei 1/160s und ISO 100 unter nahezu gleichen Lichtbedingungen (Blitz) bei verschiedenen Blendeneinstellungen.

Die Beispielfotos wurden allesamt im Raw-Format aufgenommen und werden hier komplett unbearbeitet gezeigt.

Als Referenz dienten meine "modernen" Objektive, das AF-S Micro Nikkor 60 mm f/2.8 G ED und das AF-S Nikkor 50 mm f/1,8 G. Um die Schärfeleistung beurteilen zu können, vergrößerte ich einen kleinen Bildausschnitt auf ca. 200%. Gerade das Auge (Iris, Wimpern) eignet sich hervorragend zur Ermittlung der Schärfe.

Blende 1,8

Wir starten mit zwei Objektiven, die eine Maximalblende von 1,8 hergeben, dem 50 mm AF-S und dem 50 mm Serie E.

Stellt das "moderne" AF-S-Objektiv bei vollständig geöffneter Blende noch eine gute Schärfe dar, schwächelt hier die Optik aus den 80'ern.

Blende 4

Bei Blende 4 sind die meisten Kandidaten an Bord. - Bei den kleineren Zooms kommt hier die bei dieser Brennweite kleinstmögliche Blende (4,2 bzw. 4,5) zum Einsatz.

Auch bei Blende 4 liegen die beiden AF-S-Objektive vorne, gefolgt vom 35-70 und dem nun ebenbürtigen Serie E. Die anderen Zooms zeigen sich bei Maximalblende schwächer.

Blende 8

Unterschiede in der Schärfeleistung sind bei Blende 8 nur noch minimal - wenn überhaupt - festzustellen. Man muss schon sehr genau hinschauen, um minimale Unterschiede festzustellen.

Fazit


Grundsätzlich kann gesagt werden, dass die alten Objektive bei Offenblende in ihrer Schärfeleistung meistens schwächer sind als ihre Nachfolger. Aber richtig schlechte Objektive hat Nikon nie gebaut. Die hier getesteten Optiken dürfen Sie natürlich nicht 1:1 mit aktuellen Linsen vergleichen, da mitunter Jahrzehnte der Entwicklung dazwischen liegen.

Ein Einsatz von alten Objektiven an modernen Kameras bietet jedoch einigen Charme, da die alten Linsen im Vergleich zu den aktuellen Objektiven

  • unschlagbar günstig sind

  • meistens handlicher und leichter sind

  • in ihrer Fertigungsqualität und Haptik in nichts nachstehen

  • ab dem mittleren Blendenbereich genauso scharf zeichnen

  • einfach Spaß machen