Objektive - moderne Linsen







Die AF-S-Objektive stellen die aktuelle Objektiv-Produktpalette von Nikon dar Die Optiken verfügen in der Regel über einen Ultraschall-Fokusmotor und hochvergütete Linsen. Wer allerdings denkt, er würde hier hochwertige Objektivgehäuse vorfinden, der irrt sich gewaltig.

Die Zeiten, in denen die Premium-Hersteller ihre Linsen in ausgewählten Manufakturen fertigen lassen, sind leider lange schon vorbei. Auch Nikon surft auf dem Fotografie-Boom der letzten Jahre mit und wirft einen Großteil des Sortiments mit billigen Plastikgehäusen aus China für teures Geld auf den Markt.

Nicht ohne Grund erfreuen sich in den letzten Jahren mitunter 30-40 Jahre alte "Vintage-Objektive" großer Beliebtheit und lassen deren Gebrauchtpreise in die Höhe schießen.

AF-S Nikkor 18-35mm f/3,5-4,5 G ED


Weitwinkelobjektive setze ich relativ selten ein, hauptsächlich bei Architektur- bzw. Landschaftsaufnahmen oder aber in der Modelfotografie für extreme Bildansichten.

Aktuelle Weitwinkel-Festbrennweiten sind recht teuer, und da dies ja nicht mein favorisierter Aufnahmebereich ist, entschied ich mich für ein WW-Zoom. Hier kamen im Prinzip nur zwei Objektive für mich infrage: das Nikon AF-S Nikkor 14-24mm f/2.8 G ED (ca. € 1.800,-) und das Nikon AF-S Nikkor 16-35mm f/4 G ED VR (ca. € 1.100,-). Preislich natürlich die Oberliga, aber ich wollte ja das Beste.

Eigenschaft

Brennweite FX (DX)

18 - 35 (~27 - 52) mm

Maße (Ø x Länge)

83 x 95 mm

Gewicht

385 g

Filterdurchmesser

77 mm

Gehäuse

Kunststoff

Naheinstellgrenze

28 cm

Neupreis (ca.)

600,-

Bewertung

sehr empfehlenswert

Zum Glück besuchte ich einen Tag der offenen Tür bei GM Foto in Frankfurt. Hier konnte man nach Herzenslaune sämtliche Nikon-Objektive auf seine Kamera schrauben und an einem Probe-Set (inkl. Model) Fotos schießen. Natürlich testete ich meine beiden "Wunsch-Objektive" ausgiebig. Von der Verarbeitung und der Bildqualität her sind beide Linsen natürlich top - allerdings empfand ich beide als zu schwer und zu klobig.

Ein Nikon-Mitarbeiter (!) zeigte und empfahl mir das seiner Meinung nach "stets unterschätzte" AF-S 18-35 für ca. € 650,-.

Ich war begeistert, es war für meine Zwecke völlig ausreichend, recht leicht und dann noch preislich erschwinglich. - Wieder mal ein Beweis, dass fachkundige Beratung besser ist als die tollsten Testberichte.

Das Objektiv macht (für meine Begriffe) phantastische Bilder, es wiegt nicht viel, passt bequem in die Fototasche und ist mein ständiger Begleiter auf Fototouren in der Stadt - und manchmal auch bei Model-Shootings.

Hier der (ausführliche) Test von Ken Rockwell und sein Vergleich zu den anderen Nikon-Weitwinkel-Zooms.

AF-P DX Nikkor 18–55 mm f/3,5–5,6 G VR


Dieses Objektiv ist das Standard-Kit-Objektiv zu Nikons D3x00 und D5x00 und der direkte Nachfolger des gleichnamigen AF-S. Ein nicht unerheblicher Teil der Kit-Käufer stürmt direkt nach dem Auspacken zu Ebay und verschachert dort ab 50,- diese Linse. - Großer Fehler...

Eigenschaft

Brennweite (DX)

(18 - 55) mm

Maße (Ø x Länge)

64,5 x 62,5 mm

Gewicht

205 g

Filterdurchmesser

55 mm

Gehäuse

Kunststoff

Naheinstellgrenze

25 cm

Neupreis (ca.)

100,-

Bewertung

sehr empfehlenswert

Klar, mit einer 800,- Euro-Festbrennweite kann das Teil natürlich nicht mithalten, da bei einem Neupreis von 100,- logischerweise massiv bei der Verarbeitungsqualität gespart wurde. Zwischen dieser Plastik-Kreation aus China und einem (vielfach belächelten) Series E-Objektiv liegen Welten.

Aber: Mit dem Ding kann man richtig gute Bilder machen. Es ist superkompakt, wiegt fast nichts und verfügt neben einem Bildstabilisator auch noch über einen rasend schnellen, fast lautlosen Fokus-Motor. Den einzigen Nachteil, den ich an diesem Objektiv ausmachen konnte ist der, dass es sich um eine DX-Linse handelt und somit an Vollformat nicht zu gebrauchen ist.

Mein Fazit: Zusammen mit der kleinen D3300 eine extrem günstige, leichtgewichtige und abbildungsmäßig durchaus überzeugende Urlaubs-Kombination.

AF-S Nikkor 35 mm f/1,8 G ED


Mit einer Brennweite von 35 mm (Vollformat) geht diese Linse als leichtes Weitwinkelobjektiv durch, ich setze es jedoch gerne im Bereich der Themen-Shootings ein, wenn es darum geht, ganze Szenerien oder Ganzkörperaufnahmen abzulichten.

Eigenschaft

Brennweite FX (DX)

35 (~52) mm

Maße (Ø x Länge)

72 x 71,5 mm

Gewicht

305 g

Filterdurchmesser

58 mm

Gehäuse

Kunststoff

Naheinstellgrenze

25 cm

Neupreis (ca.)

520,-

Bewertung

sehr empfehlenswert

Obwohl ich bei meinem Weitwinkel-Zoom eine Maximalbrennweite von 35 mm habe, verwende ich in diesem Bereich lieber die 35'er Festbrennweite. Reichen mir daher bei der Planung eines Shootings "unten" 35 mm, ziehe ich dieses Objektiv dem Weitwinkel-Zoom vor.

Neben seiner hohen Lichtstärke und seiner hervorragenden Abbildungsleistung ist es mit seinen ca. 300g recht leicht.

Das 35'er ist eine Spitzenlinse, die sich Nikon mit über 500,- leider auch sehr teuer bezahlen lässt.

AF-S Nikkor 50 mm f/1,8 G


Etwa 80% meiner Fotos mache ich im (Vollformat-) Brennweitenbereich 35 bis 60mm. Üblicherweise nehme ich immer zwei Kameras mit zum Shooting: Meine "große" Nikon nebst ein oder zwei Festbrennweiten und als Backup meine kleine Systemkamera, die mit einem Zoomobjektiv (18-55 mm) bestückt ist. Dieses 50'er ist allerdings immer mit dabei.

Eigenschaft

Brennweite FX (DX)

50 (~75) mm

Maße (Ø x Länge)

72 x 52,5 mm

Gewicht

185 g

Filterdurchmesser

58 mm

Gehäuse

Kunststoff

Naheinstellgrenze

45 cm

Neupreis (ca.)

220,-

Bewertung

Spitzenklasse

Das erste Vollformat-Objektiv, das ich mir kaufte, war das AF-S 50 - was ich nie bereut habe. Es ist für ca. € 220,- erstaunlich preisgünstig und eine leichte, aber bildmäßig hervorragende Linse. An DX gibt es sich als leichtes Tele - und somit hervorragend als Portraitlinse verwendbar.

Wer eine universelle Festbrennweite für praktisch jede fotografische Situation sucht, dem kann ich dieses Objektiv uneingeschränkt empfehlen. - Vom Preis-Leistungsverhältnis meiner Meinung nach nicht zu schlagen.

Einen sehr umfangreichen Test und einen Vergleich mit anderen 50'ern finden Sie hier.

Für den doppelten Preis ist das 50'er mit einer Lichtstärke von 1.4 (statt 1.8) zu haben, das zwar auch aus Plastik ist, aber fast das doppelte wiegt. Und für den dreifachen Preis gibt es das wahrscheinlich beste 50'er, das Sigma ART, das allerdings doppelt so groß und viermal so schwer wie das 1.8'er ist. (Außerdem muss man scheinbar Glück haben, eines mit sitzendem Fokus zu erwischen ...)

AF-S Micro Nikkor 60 mm f/2.8 G ED


Als ich meinen Objektivpark aufbaute, leistete ich mir das hochgelobte AF-S Micro 60, weil ich unbedingt auch ein Makro-Objektiv haben wollte. Leider stellte ich schnell fest, das mir das Objektiv für Makroaufnahmen einfach zu kurz war: Für formatfüllende Aufnahmen muss man bis auf 4 cm (!) an das Motiv ran. Daher habe ich mit diesem Objektiv bis heute höchstens eine Handvoll Makroaufnahmen gemacht.

Eigenschaft

Brennweite FX (DX)

60 (~90) mm

Maße (Ø x Länge)

73 x 89 mm

Gewicht

425 g

Filterdurchmesser

62 mm

Gehäuse

Kunststoff

Naheinstellgrenze

18,5 cm

Neupreis (ca.)

590,-

Bewertung

Spitzenklasse

Allerdings merkte ich schnell, dass diese hochwertige (und teure) Linse unglaublich scharf abbildet und ihre Stärken auch im Normalbereich hat. Man kann damit nämlich dicht an das Motiv herangehen. Mein 50er hat eine Nahgrenze (=minimale Entfernung zum Motiv, bei der noch eine Scharfstellung möglich ist) von ca. 45cm, weiter kommt man nicht ran.

Mit der 60er-Linse kann ich dem Model bis auf ein paar Zentimeter auf die Pelle rücken, was bei einem Model-Shooting spontane Closeup-Aufnahmen ermöglicht.

Aufgrund seiner starken Eigenschaften (Schnelligkeit, Schärfe und Zuverlässigkeit) hat sich dieses Objektiv zu meiner Lieblingsoptik bei Modelshootings entwickelt.

AF-S Nikkor 85 mm f/1,8 G


In den allermeisten Fällen verwende ich in meinen Shootings Normalbrennweiten, aber ab und an, wenn es darum geht, hauptsächlich Oberkörper- oder Gesichtsportraits aufzunehmen, benutze ich gerne auch einmal etwas "längeres Glas".

Eigenschaft

Brennweite FX (DX)

85 (~127) mm

Maße (Ø x Länge)

80 x 73 mm

Gewicht

350 g

Filterdurchmesser

67 mm

Gehäuse

Kunststoff

Naheinstellgrenze

80 cm

Neupreis (ca.)

480,-

Bewertung

Spitzenklasse

Es besteht in der Fotografengemeinde ein gewaltiger Disput, ob bei Nikons 85mm AF-S-Objektiven denn nun dieses 1.8'er (480,-) oder aber das 1.4'er (1.550,-) das bessere ist.

Der amerikanische Fotograf Matt Granger hat in einem Youtube-Video beide Objektive sehr anschaulich getestet. - Sein Fazit: Das 1.8'er kann 95% von dem, was das 1.4'er kann - zu einem Drittel des Preises.

Meine Gedanken, ob es denn nun wirklich ein 1.4'er sein muss, habe ich hier zusammengefasst.

Nicht umsonst ist das AF-S 85 mein Portraitobjektiv schlechthin. Es ist ein - auf den ersten Blick - recht klobiges Objektiv, aber aufgrund der dennoch kompakten Bauweise und seines geringen Gewichts eine meiner Lieblingslinsen, die mir regelmäßig knackscharfe Bilder beschert.

AF-S Nikkor 70-200 mm f/4 ED VR


Das mit Abstand teuerste Objektiv, das ich jemals besaß, war das AF-S 70-200 f/4 für ca. €1.300,-. Es macht phantastische Bilder - auch im Portraitbereich - und besitzt einen hervorragenden Bildstabilisator. Trotz des hohen Preises verfügt es, wie die meisten AF-S-Objektive, nur über ein (immerhin hochwertiges) Kunststoffgehäuse. Das noch lichtstärkere 2.8'er besitzt eine spezielle Magnesiumlegierung, ist aber auch ein ganz klein wenig schwerer (1,4 kg) und einen Hauch teurer (ca. 3.200,-).

Eigenschaft

Brennweite FX (DX)

70 - 200 (~105 - 300) mm

Maße (Ø x Länge)

78 x 178,5 mm

Gewicht

850 g

Filterdurchmesser

67 mm

Gehäuse

Kunststoff

Naheinstellgrenze

100 cm

Neupreis (ca.)

1.300,-

Bewertung

sehr gut

Aber auch dieses AF-S 70-200 f/4 ist ein Trümmer von einem Objektiv, riesig und schwer, was dazu führte, dass ich es extrem selten zu Shootings mitnahm.

Dieses - wirklich absolut hochwertige - Objektiv hatte es absolut nicht verdient, die meiste Zeit in meinem Schrank zu verbringen. Daher entschloss ich mich (schweren Herzens), es wieder zu verkaufen.

Viele Fotografen bevorzugen große und schwere Objektive an der Kamera, ich aber habe gelernt, dass ich überhaupt nicht der Typ dafür bin.