Objektive - alte Schätzchen







Alte Objektive aus vergangenen Tagen haben Charme. Es ist mit ihnen ein ganz anderes Fotografieren - so ein bisschen wie Oldtimer fahren. Einige grundsätzliche Informationen habe ich im Tutorial Alte Objektive zusammengestellt. Ich möchte an dieser Stelle einige meiner alten "Schätzchen" vorstellen.

Die meisten der hier präsentierten Objektive sind qualitativ hochwertige Linsen, mit denen tolle Bilder entstehen (können), "Gurken" oder irgendwelche Schrott-Optiken finden sich hier nicht. Das liegt weniger daran, dass ich kein professioneller Objektiv-Tester bzw. besonders blauäugig in Bezug auf die Beurteilung bin, sondern vielmehr daran, dass ich Objektive, die ich mir anschaffe, vorher im Netz intensiv recherchiert habe - was ich jedem Interessenten vor einem Kauf nur ans Herz legen kann.

Alle manuellen Nikon-Objektive habe ich gechippt, was mir (an meinen Nikon-Kameras) den Komfort von Blendensteuerung durch die Kamera, Übermittlung der Objektiv- und Aufnahmedaten und die Möglichkeit der Nutzung des A-, S- und P-Modus einräumt. Das funktioniert natürlich nicht bei der Adaption der Objektive an meine kleine Fuji X-E2, hierzu habe ich einen speziellen Workflow entwickelt, um die für mich wichtigen Bild-Informationen zu sichern.

Nikon Nikkor 28mm f/2.8 AI-s (1981-heute)


Ken Rockwell ist der Meinung, das 28'er AI-s wäre das schärfste manuelle Weitwinkel von Nikon und dass es optisch und qualitativ eine der besten Linsen ist, die man an seiner Nikon-Kamera anbringen kann. Mein Exemplar kostete mich bei Ebay stolze 200,- (und das war noch nicht einmal überzogen). Das Objektiv wird auch heute (2017) noch neu zu einem Preis von rund 700,- angeboten. Das "moderne" AF-S Nikkor 28mm 1:1,8 G ist aus Plastik, doppelt so groß, fast dreimal so schwer und ist trotz höherer Lichtstärke und Autofokus mit 645,- sogar billiger als das AI-s.

Eigenschaft

Brennweite FX (DX)

28 (~42) mm

Maße (Ø x Länge)

63 x 44,5 mm

Gewicht

250 g

Filterdurchmesser

52 mm

Gehäuse

Metall

Naheinstellgrenze

20 cm

Preis (ca.) in gutem Zustand

250,-

Bewertung

Spitzenklasse

Das 28'er AI-s ist an Vollformat-Kameras ein Weitwinkelobjektiv, an DX eine Normalbrennweite. Von der Haptik und der Bildleistung her ist diese Linse über jeden Zweifel erhaben und braucht sich nicht vor den richtig teuren Profi-Linsen zu verstecken. Mit seiner außergewöhnlichen Schärfeleistung ist es eine meiner Lieblings-Optiken.

Sein Vorgänger (AI) soll auch klasse sein (siehe NikonClassics-Blog) - und ist mit einem Gebrauchtpreis von 150,- bis 200,- etwas günstiger.

Ich hatte auch mal das 28/2.8'er aus der Series E (< 100,-), dieses war jedoch überhaupt kein Vergleich zum hier vorgestellten AI-s. Es ist neben dem 36-72mm-Zoom das schwächste Objektiv dieser Baureihe.

Minolta MD W.Rokkor 28mm f/2.8 (1974)


Noch günstiger als alte Nikon-Objektive sind die (teils) qualitativ ebenso hochwertigen Minolta-Linsen zu haben. Vor einem Kauf sollte man sich jedoch unbedingt über das Objektiv bzw. dessen Baureihe informieren (z.B. hier), da mitunter auch ziemlich schlechte Minolta-Linsen im Umlauf sind.

Leider lassen sich diese Optiken aufgrund ihres kleineren Auflagenmaßes nicht ohne Probleme an Nikon-Kameras verwenden, weshalb ich sie ausschließlich mit einem entsprechenden Adapter an meiner Fuji X-E2 einsetze.

Der Nachteil der fehlenden Steuerungsmöglichkeit durch die Kamera und die nicht übertragenen Exif-Informationen (wie Objektivname oder verwendete Blende) wird durch die phantastische Möglichkeit des "Focus-Peaking" (= optische Hervorhebung der scharfen Bereiche im Sucher bzw. Display) bei Systemkameras ein wenig ausgeglichen.

Eigenschaft

Brennweite (DX)

28 (~42) mm

Maße (Ø x Länge)

64 x 44 mm

Gewicht

180 g

Filterdurchmesser

49 mm

Gehäuse

Metall / Kunststoff

Naheinstellgrenze

30 cm

Preis (ca.) in gutem Zustand

50,-

Bewertung

empfehlenswert

Verarbeitungsqualität, Haptik und vor allem optische Leistung sind - dem Flohmarktpreis widersprechend - einfach klasse. Hier findet sich eine interessante Analyse.

Wie bei den meisten alten Linsen empfiehlt es sich auch bei dem 28'er Rokkor, nicht mit voll geöffneter Blende zu arbeiten, ein Abblenden um ein oder zwei Stufen katapultiert die Bildqualität und vor allem die Schärfe gewaltig nach oben.

Seit ich das 28'er Nikkor besitze, verbringt dieses Objektiv (leider) viel zu viel Zeit im Schrank.

Nikon 35mm f/2.5 Series-E (1979 - 1982)


Dieses Objektiv stammt aus Nikons "Billigserie" (und hat daher auch kein "Nikkor" im Namen). Im Gegensatz zu den Nikkoren besteht das Objektivgehäuse hauptsächlich aus Kunststoff und weist nicht deren "fühlbare" Wertigkeit auf.

Eigenschaft

Brennweite FX (DX)

35 (~52) mm

Maße (Ø x Länge)

63 x 35 mm

Gewicht

150 g

Filterdurchmesser

52 mm

Gehäuse

Kunststoff

Naheinstellgrenze

30 cm

Preis (ca.) in gutem Zustand

80,-

Bewertung

empfehlenswert

Obwohl es sich um ein recht preiswertes Objektiv handelt (meins hatte seinerzeit 59,- gekostet), lässt sich damit an FX als leichtes Weitwinkel und an DX als Normalbrennweite sehr angenehm arbeiten. Da der verwendete Kunststoff sehr hochwertig ist, kann die Haptik des Objektivs durchaus mit den China-Plastik-Bombern aus der heutigen Zeit mithalten.

Die Bildqualität und Schärfe der Linse ist überraschend gut, reicht allerdings nicht an mein "modernes" AF-S-35'er heran.

Fotografen, die sich erstmalig mit manuellen Objektiven auseinandersetzen möchten, kann ich die Verwendung der Series E-Optiken ans Herz legen; für kleines Geld kann man richtig gute Linsen erwerben und sich damit praktisch risikofrei in die manuelle Fotografie einarbeiten. - Will man später auf die teureren manuellen Nikkore upgraden, können die Objektive meinst ohne (oder nur mit kleinem) Verlust wieder veräußert werden. Der amerikanische Fotograf Matthew Durr hat auf seiner Website die Series E-Objektive ausführlich getestet und anschaulich miteinander verglichen.

Nikon Nikkor 50mm f/1.8 AI-s (1985 - 2005)


38,- hat mich dieses Objektiv gekostet. Aktuell hat der Preis ordentlich angezogen, und unter 100,- dürfte man nur mit Glück ein gut erhaltenes Exemplar bekommen. Im Vergleich zum 50'er der Series E wurde an diesem Objektiv wesentlich mehr Metall verbaut, es vereint alle positiven Eigenschaften des "kleinen Bruders" mit noch besserer Abbildungsleistung und Haptik.

Eigenschaft

Brennweite FX (DX)

50 (~75) mm

Maße (Ø x Länge)

63 x 36 mm

Gewicht

145 g

Filterdurchmesser

52 mm

Gehäuse

Metall

Naheinstellgrenze

60 cm

Preis (ca.) in gutem Zustand

100,-

Bewertung

Spitzenklasse

Es ist ein Genuss, mit dieser absolut unscheinbaren Pancake-Linse unterwegs zu sein, die ich in letzter Zeit immer häufiger auch bei Model-Shootings einsetze.

Bildqualität und Schärfeleistung sind ab Blende 2.8 großartig, voll geöffnet (1.8) erscheint die Schärfe ein wenig soft, aber immer noch gut.

Den einzigen Nachteil, den ich bei diesem Objektiv sehe, ist die Naheinstellgrenze von ca. 60 cm, da wünsche ich mir ab und zu, "näher rangehen zu können".

Minolta MC Rokkor-X PG 50mm f/1.4 (1973)


Ein weiteres spannendes Objektiv aus dem Minolta-Sortiment ist das 50'er-MC. Eine ausführliche Analyse findet sich hier.

Eigenschaft

Brennweite (DX)

(~75) mm

Maße (Ø x Länge)

65 x 46 mm

Gewicht

305 g

Filterdurchmesser

55 mm

Gehäuse

Metall

Naheinstellgrenze

50 cm

Preis (ca.) in gutem Zustand

100,-

Bewertung

empfehlenswert

Das 50'er-Minolta hat es in meinem Objektivpark schwer. Da ich es ausschließlich an meiner Fuji-X-E2 einsetzen kann, stellt es sich durch den Crop-Faktor als leichtes Teleobjektiv dar.

Obwohl es qualitativ locker mit den Nikon-Linsen mithalten kann, setze ich es aufgrund der fehlenden Steuerungsmöglichkeit durch die Kamera und die nicht übertragenen Exif-Informationen (wie Objektivname oder verwendete Blende) eher selten ein.

Dennoch handelt es sich um ein Super-Objektiv, das ich für (preisgünstige) Experimente im 1.4-er-Blendenbereich sehr empfehlen kann.

Nikon 75-150mm f/3.5 Series E (1980 - 1983)


Anders als die Series E-Festbrennweiten besteht das Objektivgehäuse des 75-150mm hauptsächlich aus Metall. Trotzdem ist es sehr kompakt, leicht, scharf, und es lässt sich toll damit fotografieren. Ein sehr ausführlicher Test des amerikanischen Fotografen Matthew Durr findet sich hier. Da sich das Objektiv einiger Beliebtheit erfreut, ist es leider nicht ganz einfach zu bekommen - und auch nicht ganz billig: Ich hatte das Glück, mein Exemplar vor dem "Vintage-Hype" für 80,- zu ergattern, aktuell muss man mit mindestens 100,- (für ein gutes erhaltenes Exemplar) rechnen.

Eigenschaft

Brennweite FX (DX)

75 - 150 (~112 - 225) mm

Maße (Ø x Länge)

65 x 125 mm

Gewicht

520 g

Filterdurchmesser

52 mm

Gehäuse

Metall

Naheinstellgrenze

90 cm

Preis (ca.) in gutem Zustand

100,-

Bewertung

sehr empfehlenswert

Obwohl ich kein großer Fan von Zoom-Objektiven bin, hat mich diese Linse von Anfang an begeistert. Mit seinem Zoombereich von 75-150mm eignet es sich hervorragend für die Model- und Portraitfotografie und spielt (ab Blende 5.6) von der Abbildungsqualität her durchaus in der Liga der 4-5mal so teuren AF-S-Portrait-Optiken.

Neben zahlreichen anderen Tests findet sich im Netz bei Bijan eine schöne Rezension zu diesem "poor man’s Pro tele zoom".

Die Hauptkrankheit, unter der die meisten Schiebezoom-Objektive leiden, ist der berüchtigte "Zoom-Creep". Hierbei sitzt der Schiebetubus nicht mehr richtig fest, da der Filzstreifen, der ihn unter Spannung halten soll, ausgeleiert ist. Der Tubus gleitet je nach Haltung der Kamera selbständig rein oder raus. - Wer allerdings ein klein wenig handwerkliches Geschick besitzt, kann den Filzstreifen ohne große Probleme austauschen (Richard Haw hat hierzu eine sehr ausführliche Anleitung erstellt). Als Alternative (für die Grobmotoriker) bietet sich die Verwendung von ein oder zwei Streifen Gewebeband an, die einfach längs auf die Außenseite des inneren Tubus geklebt werden. Ich habe beide Lösungen angewendet, da ich einen richtig stramm sitzenden Tubus bevorzuge.

Minolta MD Macro Rokkor 100mm f/4 (1979 - 1981)


Ich wollte mich ein wenig mit der Makrofotografie auseinandersetzen, allerdings waren mir € 850,- für das 105'er von Nikon einfach zu happig. (Auch gebraucht ist da unter € 500,- kaum was zu machen.) Nach eingehender Internet-Recherche wurde ich beim Minolta Macro 100 f/4 fündig (nähere Infos hier), und nachdem ich mit Minolta-Objektiven bislang sehr gute Erfahrungen gemacht habe, schlug ich für € 180,- (guter Zustand inkl. Zwischenring) zu.

Eigenschaft

Brennweite (DX)

(~150) mm

Maße (Ø x Länge)

66,5 x 88,5 (138) mm

Gewicht

380 g

Filterdurchmesser

55 mm

Gehäuse

Metall

Naheinstellgrenze

45 cm

Preis (ca.) in gutem Zustand

250,-

Bewertung

Spitzenklasse

Fazit: eine hochklassige Makro-Linse zum Bruchteil der teuren Nikkore ...

Nikon 100mm f/2.8 Series-E (1979 - 1985)


DER Geheimtipp unter den Series E-Objektiven! Für ganze € 99,- konnte ich diese Linse ergattern, die im Netz als ernstzunehmende Konkurrenz zum legendären Nikkor 105mm f/2,5 AI-s und zum aktuellen Nikkor 105mm f/2.8 AF-S diskutiert wird.

Eigenschaft

Brennweite FX (DX)

100 (~150) mm

Maße (Ø x Länge)

62,5 x 57,5 mm

Gewicht

215 g

Filterdurchmesser

52 mm

Gehäuse

Kunststoff

Naheinstellgrenze

100 cm

Preis (ca.) in gutem Zustand

120,-

Bewertung

Spitzenklasse

Ein sehr ausführlicher Test ist bei Matthew Durr zu finden, für den dieses Objektiv nicht nur seine persönliche Rangliste der Series E-Objektive anführt, er hat auch einen Vergleich mit dem Nikkor-AI-s angestellt - und ist sich nicht sicher, welches Objektiv das bessere ist.

Trotz Kunststoffgehäuse kann diese kleine, leichte und absolut unauffällige Optik als perfektes Portrait-Objektiv (zumindest an einer Vollformat-Kamera) überzeugen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Vintage-Objektiven zeichnet es sich durch eine konstante Schärfeleistung bei allen Blendenstufen aus.

Nikon 135mm f/2.8 AI-s (1981 - 2005)


Nachdem ich im Internet etliche überaus positive Erfahrungsberichte in Bezug auf dieses Objektiv gelesen hatte, versuchte ich es einmal bei Ebay und hatte das Glück, ein äußerst gut erhaltenes Exemplar für gerade einmal 100,- zu erstehen. Da dieses Objektiv (zu recht) sehr begehrt ist, ist es aktuell (2018) enorm schwierig, eins dieser Objektive ohne stark abgenutztes Gehäuse oder verkratzte Linsen unter 200,- zu erwerben.

Eigenschaft

Brennweite FX (DX)

135 (~200) mm

Maße (Ø x Länge)

64 x 63,5 mm

Gewicht

435 g

Filterdurchmesser

52 mm

Gehäuse

Metall

Naheinstellgrenze

130 cm

Preis (ca.) in gutem Zustand

200,-

Bewertung

Spitzenklasse

Das 135'er ist eine meiner schärfsten Linsen. Es liefert neben seiner hohen Anfangsblende eine spitzenmäßige mechanische Qualität (Metall) und eine phantastische optische Performance. Trotz seiner hohen Anfangs-Lichtstärke von 2.8 und der langen Brennweite ist es erstaunlich kompakt und lässt sich sehr exakt fokussieren.

Allerdings sollte klar sein, dass bei einer Brennweite von 135 mm das manuelle Fokussieren frei Hand nicht einfach ist. Ich empfehle hier eine schnelle Verschlusszeit von mindestens 1/200 Sekunden oder die Verwendung eines Stativs.

Wenn Sie das Objektiv mit einem AF-Chip ausstatten wollen, achten Sie unbedingt darauf, die AI-s-Version zu erwischen. Es gibt auch (günstigere) AI- oder Pre-AI-Versionen (die auch sehr gut sein sollen), die aber leider nicht zufriedenstellend mit den Dandelion-Chips zusammenarbeiten.

Nikon 70-210mm f/4 Series E (1981 - 1985)


Dieses Schiebezoom ist der große Bruder des famosen 75-150 Series E. Genau wie bei diesem können Sie das Pech haben, ein Exemplar mit "Zoom-Creep", also einem lockeren Zoom-Tubus zu erwischen. - Tipps, wie das Problem zu lösen ist, finden Sie beim 75-150 Series E.

Eigenschaft

Brennweite FX (DX)

70 - 210 (~105 - 315) mm

Maße (Ø x Länge)

72,5 x 156 mm

Gewicht

730 g

Filterdurchmesser

62 mm

Gehäuse

Metall

Naheinstellgrenze

150 cm (56 cm bei 70 mm Macro)

Preis (ca.) in gutem Zustand

50,-

Bewertung

sehr empfehlenswert

Das "große" der Series E wird z. B. von Matthew Durr hier noch oberhalb des 75-150 positioniert. Es hat (bei 70 mm) einen Makro-Modus, deckt einen größeren Brennweitenbereich ab und von der Abbildungsleistung her mag es noch einen Tick besser sein als das kleine, leider werden die oberen 60 mm mit dem doppelten Gewicht und einem größeren Volumen erkauft. Damit scheidet es definitiv als "Immer dabei"-Objektiv aus.

Dennoch halte ich, wenn es einmal "richtig lang sein soll", das 70-210 für eine phantastische Alternative zu den super-teuren AF-S-Zooms. Interessanterweise ist dieses wirklich gute Objektiv bei Ebay für weit unter € 100,- zu haben (im Gegensatz zum 75-150).