Licht - Modifikation







Mit Hilfe der unter Grundlagen vorgestellten Regeln wird das Licht berechen- und vorhersehbar, was in der Fotografie praktisch unbegrenzte Möglichkeiten der Lichtkomposition eröffnet. Sie werden überrascht sein, wie Ihnen auch ohne irgendwelche teuren Hilfsmittel tolle Bilder gelingen.

  • Diffusion

  • Reflexion

  • Lichtformung

Diffusion


Ein Diffusor ist ein lichtdurchlässiges Material, das zwischen der Lichtquelle und dem Motiv positioniert wird. Drei wichtige Effekte können durch den Einsatz eines Diffusors erzielt werden:

  • Streuung des Lichts (das Licht wird weicher)

  • relative Vergrößerung der Lichtquelle

  • Sichtschutz (zur Vermeidung von direktem Blick in die Lichtquelle)

Zur Veranschaulichung nachfolgend ein Beispiel mit einer einfachen Lichtsituation:

Das Licht kommt von schräg oben (vergleichbar mit Sonnenlicht) und strahlt das Gesicht direkt an. Da es sich um hartes, gerichtetes Licht handelt und die Lichtquelle in Bezug auf das Gesicht relativ klein ist, entstehen im Bild scharfe und abrupte Hell-Dunkel-Übergänge (achten Sie auf den Schatten unter dem Kinn). Zudem muss der Blick in Richtung Lichtquelle erfolgen (eine für die Augen sehr unangenehme Pose), da sonst unschöne „Schattenaugen“ entstehen würden.

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Positionieren wir nun einen Diffusor zwischen die Lichtquelle und das Gesicht. Zunächst ist die Situation für das Model wesentlich angenehmer, da es nicht mehr direkt in die (grelle) Lichtquelle schauen muss. Aus der Sicht des Models ist die Lichtquelle nun nicht mehr der relativ weit entfernte Blitz, sondern die große, leuchtende Fläche des Diffusors. Da diese in Bezug auf das Gesicht relativ groß ist, erscheinen die Hell-Dunkel-Übergänge wesentlich weicher und harmonischer. - Der Effekt wird umso deutlicher, je weiter die Lichtquelle vom Motiv entfernt ist.

Durch den Einsatz des Diffusors reduziert sich natürlich die Lichtmenge (im Beispiel betrug der Lichtverlust 1 Blende).

Es muss nicht unbedingt ein Falt-Diffusor aus dem Zubehörhandel sein, ein lichtdurchlässiger Vorhang eignet sich z.B. hervorragend, um das durch ein Fenster einfallende Sonnenlicht zu modifizieren.

Reflexion


Ein Reflektor ist nichts weiter als eine (möglichst glatte) Fläche, die das Licht reflektiert. Weiße und (hell-)graue Flächen reflektieren das Licht farbneutral, bei farbigen Flächen muss die Regel der Farbreflexion beachtet werden.

„Natürliche“ Reflektoren

Nachfolgend einige Beispiele, wie das Licht ohne irgendwelche zusätzlichen Hilfsmittel reflektiert werden kann. - Als Lichtquelle wurde ein Blitz eingesetzt, der normalerweise hartes, gerichtetes Licht abgibt. Als Reflexionsmedien dienten ausschließlich Wände bzw. Zimmerdecke. Das Motiv wurde nie direkt angeblitzt.

Wand (1)

Zunächst wird an dem Motiv vorbei in einem relativ stumpfen Winkel auf die hintere Wand geblitzt. Aufgrund der Winkelregel wird der Hauptteil des Lichts von der hinteren Wand auf das Model reflektiert und erzeugt ein weiches und schmeichelndes Licht auf dem Gesicht.

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Wand (2)

Als Abwandlung des vorangegangenen Settings wird nun der Blitz weiter vom Motiv entfernt positioniert, die hintere Wand wird in einem spitzeren Winkel angeblitzt. Der Schatten auf der linken Gesichtshälfte wird nun stärker herausgearbeitet, verläuft allerdings immer noch sehr weich und harmonisch.

Wand (3)

Nun eine Variante mit Licht von schräg oben, wobei die linke Wand als Reflektor genutzt wird. Die komplette linke Gesichtshälfte liegt nun im Schatten, „säuft“ allerdings nicht ab (wie es bei direktem Anblitzen des Motivs der Fall wäre), auch das linke Auge ist noch gut sichtbar.

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Zimmerecke

Nach Verinnerlichung der vorgestellten Regeln dürfte klar sein, dass man auch „um die Ecke“ blitzen kann. In dieser Lichtsituation wird ein Teil des Lichts von der dem Motiv gegenüber­liegenden Wand und ein (schwächerer) Teil des Lichts von der hinteren Wand auf das Motiv reflektiert. Auch hier wird durch indirektes Licht eine gleichmäßige und weiche Ausleuchtung erreicht.

Decke

In diesem Setting wird in einem relativ stumpfen Winkel die (helle) Zimmerdecke angeblitzt. Das Licht wird von der Decke großflächig nach unten reflektiert und „simuliert“ so ein hoch am Himmel stehendes Sonnenlicht - nur in einer weicheren Variante. Zur Vermeidung von „Schattenaugen“ sollte das Model in einer solchen Lichtsituation den Kopf gerade oder leicht nach oben halten.

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Wand (indirekt)

Ein Highlight in der Portraitfotografie ist es, das Model „leuchten“ zu lassen. Der Blitz wurde hinter dem Model positioniert.

Aber warum ist das Gesicht perfekt ausgeleuchtet?

Die meisten Fotografen haben schon einmal versucht, eine Gegenlichtaufnahme frontal gegen die helle Sonne zu machen - und waren anschließend enttäuscht, dass das Gesicht des Models völlig unterbelichtet war.

Der Kniff bei dieser Aufnahme ist die helle Wand hinter der Kamera! Von ihr wird das Licht großflächig reflektiert und beleuchtet somit sehr gleichmäßig und weich das Gesicht. Diese Art der Lichtführung kann auch problemlos bei Aufnahmen gegen die grelle Sonne angewendet werden:

Stellen/Lehnen Sie (der Fotograf) sich gegen eine helle Hauswand und positionieren Sie das Model zwischen sich und der Sonne, mit dem Gesicht zur Wand. Das Setting mag einem Außenstehenden vielleicht etwas seltsam erscheinen, Sie werden jedoch mit eindrucksvollen Bildern belohnt.

Das „Leuchten“ funktioniert erwartungsgemäß bei hellen Haaren wesentlich besser als bei schwarzen Haaren. - Warum? - Wir erinnern uns: Schwarz absorbiert, Weiß (hell) reflektiert das Licht.

Faltreflektoren

Wie der Name bereits erahnen lässt, können diese Reflektoren in Sekunden auf ein erstaunlich kleines Packmaß „zusammengefaltet“ werden. Damit sind sie nicht nur die allererste Wahl, wenn es um Mobilität geht, sie leisten auch im Studio hervorragende Dienste.

Ein variabel bespannbares Faltreflektoren-Set (Ø 110cm) mit 5 Spannoberflächen (weiß, schwarz, silbern, goldfarben und diffus) kostet im Handel ca. 15,-. Damit verfügen Sie nicht nur über alle sinnvollen Reflexionsoberflächen, sondern haben auch noch gratis einen Diffusor mit an Bord.

Zur Veranschaulichung der Anwendung hier zwei Beispiele, wie das Licht mittels einem Faltreflektor reflektiert werden kann.

Als Lichtquelle wurde ein Blitz von schräg oben eingesetzt. Im Grundsetting (erstes Bild) - ohne Reflektor - sind deutlich die berüchtigten „Schattenaugen“ erkennbar.

Zur Korrektur der "Schattenaugen" wurde ein Reflektor unterhalb des Kopfes positioniert. Wichtig hierbei ist, dass Sie stets den Einfallswinkel des Lichts beachten. (Ein im falschen Winkel positionierter Reflektor wäre wirkungslos.)

Noch eine Aufnahme im gleichen Setting (Blitz von schräg oben), allerdings mit einer dem Licht abgewandten Kopfhaltung.

Ohne Reflektor liegt die gesamte linke Gesichts­hälfte Im Dunkeln und ist praktisch nicht sichtbar.

Diesmal wurde der Reflektor seitlich hinter das Model positioniert. Die linke Gesichtshälfte ist nun sichtbar, aber immer noch sanft schattiert. - Die Stärke des Schattens regulieren Sie mit dem Abstand des Reflektors: Je näher Sie den Reflektor am Model positionieren, desto schwächer wird der Schatten.

Lichtformung


Lichtformer sind nichts anderes als speziell geformte Diffusoren, Reflektoren oder eine Kombination aus beiden. Sie verändern die Größe, die Form oder die Intensität des Lichts. Ich stelle hier lediglich die in der People-Fotografie gebräuchlichen vor.

Blitzreflektoren

Hierbei handelt es sich um einfache Lichtformer, die meistens zusammen mit einem Studioblitz geliefert werden. Sie haben eine spiegelnde Innenfläche und bündeln das Licht des Blitzes.

Blitzreflektoren generieren ein relativ hartes, gerichtetes Licht und eignen sich daher nur bedingt zum direkten Anstrahlen von Gesichtern. Sie werden meist zur Hintergrund­ausleuchtung oder in Verbindung mit Diffusoren oder Reflektoren genutzt.

  •  einfacher Blitzreflektor 
  •  Licht: Blitzreflektor 

Softboxen - Octabox

Octaboxen sind die in der People-Fotografie beliebtesten Lichtformer. Sie liefern ein weiches, natürlich wirkendes Licht und eignen sich daher sehr gut für Porträtaufnahmen.

  •  Octabox (90cm) 
  •  Licht: Octabox 

Wie bei allen weichen Lichtformern gilt: je größer die Leuchtfläche, desto besser. Kleine Octaboxen haben einen Durchmesser von ca. 60cm, gebräuchlicher sind die mit 90-100 cm Durchmesser. Noch größere Boxen (120-150cm) sind im Amateurbereich eher selten anzutreffen.

Octaboxen werden mit zunehmender Größe natürlich sperriger und schwieriger zu transportieren. Daher empfehle ich für den mobilen Einsatz die sog. „Umbrella“-Varianten, die ähnlich einem Regenschirm aufgespannt werden und somit in wenigen Sekunden einsatzbereit sind. Eine 95cm-Umbrella-Octabox ist bereits für unter 50,- erhältlich.

Softboxen - Striplight

Striplights (auch als Stripsoftboxes bekannt) sind die klassischen „Unterstützer“-Lichtformer. Durch Ihre längliche, schmale Form liefern sie einen Streifen weiches Licht, der sich hervorragend für sogenannte Lichtleisten (Körperlicht, Effektlicht) anbietet. Übliche Größen sind 90x22 oder 140x30cm.

Auch hier empfehle ich, wenn Mobilität eine Rolle spielt, die „Umbrella“-Varianten. Ein 140x30cm großes Umbrella-Striplight liegt preislich bei ca. 60,-.

Beauty Dish

Der Beauty Dish ist mein Lieblings-Lichtformer in der People-Fotografie. Die Weichheit des Lichts aus einem Beauty Dish liegt in etwa zwischen dem eines Blitzreflektors und einer Octabox. Ein Beauty Dish komplett aus Metall (40cm) liegt bei ca. 70,-

Es gibt auch eine 70cm durchmessende „Umbrella“-Variante, die etwa 100,- kostet. Diese bietet allerdings den Vorteil, dass auch eine diffuse Bespannung mitgeliefert wird. - Damit verfügt man über einen Beauty Dish und eine Octabox in einem.

Diese Beauty Dishes werden in Ausführungen mit silbernen oder mit weißem Innenreflektor angeboten. - Ich favorisiere die weiße Version, da das Licht etwas weicher modelliert wird.