Licht - Lichtquellen








Grundsätzlich ist die Art der Lichtquelle unwichtig. - Licht ist Licht! Für die Fotografie existieren drei nennenswerte Lichtquellen:

  • Blitzlicht

  • natürliches Licht

  • Dauerlicht

Natürlich gibt es noch viele weitere Lichtquellen (z.B. Flammen, Bogenlampe, Halogenlampe), hier möchte ich jedoch nur die für den gemeinen Fotografen gebräuchlichen ansprechen.

Vergleich


Um die vier Lichtquellen halbwegs belastbar miteinander zu vergleichen, muss zunächst eine Messgröße gefunden werden. Hierzu bietet sich natürlich die (Licht-)Leistung an.

Bei Aufsteckblitzen (Systemblitzen) wird z.B. gerne mit der „Leitzahl“ geworben. Diese gilt jedoch nur, wenn direkt auf das Motiv und mit maximalem Blitz-Zoom geblitzt wird. Ich kann mich nicht erinnern, einen Aufsteckblitz jemals in der Praxis so verwendet zu haben. - Für einen Leistungsvergleich mit anderen Lichtquellen taugt die Leitzahl ebenfalls nicht, da z.B. Studioblitze interessanterweise eine kleinere Leitzahl als Aufsteckblitze haben.

Die maximale Blitzenergie eines Blitzgerätes bemisst sich in Wattsekunden (entspricht der physikalischen Einheit Joule). Die Wattsekunden-Angaben von Blitzen sind stets Brutto-Angaben, damit ist die verbrauchte elektrische Energie gemeint. Erforderliche Lichtwerte werden durch Verdoppelung oder Halbierung erreicht: Ergibt ein Blitz mit 25 Wattsekunden bei Blende 5,6 die korrekte Belichtung, muss für die Blende 8 ein Blitz mit 50 Wattsekunden und für die Blende 11 ein Blitz mit 100 Wattsekunden ausgelöst werden.

Aufsteckblitze


Aufsteckblitze sind das Schweizer Taschenmesser in der Lichttechnik, und trotz ihrer handlichen Größe sind sie erstaunlich leistungsfähig. Ein starker Aufsteckblitz verfügt über eine Leistung von (ca.) 60-70 Wattsekunden.

Vorteile

  • günstig

  • unschlagbar mobil

  • Lichtleistung wird oft unterschätzt

Nachteile

  • im Vergleich zu Studioblitzen kein Einstelllicht

  • im Standard nur hartes gerichtetes Licht möglich (da kleine Lichtquelle)

  • für entfesseltes Blitzen zusätzliche Fernauslöse-Technik erforderlich

  • entfesseltes Blitzen nur mit gesonderter Halterung zur Aufnahme von Lichtformern

  • bei manuellen Blitzen nur externe Belichtungsmessung möglich

In den obligatorischen Tests (Zeitschriften, Internet) werden meistens die Premiumblitze der Kameramarken (> 500,-) empfohlen. Das sind natürlich technisch ganz hervorragende Geräte mit allerlei Technik und Gimmicks. Ich erlaube mir allerdings die Frage: Was erwarten Sie von einem Blitz? - Richtig: Licht! - Und mehr nicht.

Meine Empfehlung für Preisbewusste lautet daher, sich bei den günstigen Blitzen aus Fernost umzuschauen. Hier liegen die Preise bei ca. 50,- für einen leistungsstarken, manuellen und ca. 90,- für einen TTL-fähigen Blitz. Ich arbeite seit Jahren mit diesen günstigen Geräten, und sie haben mich noch nie im Stich gelassen.

Mit ein wenig technischem Geschick (und Mut) können Sie die Blitzröhre eines Aufsteckblitzes aus dem Gehäuse nach draußen verlegen (= Bare-Bulb) und erhalten so einen mobilen 70Ws-Studioblitz.

Studioblitze


Wie der Name schon sagt, sind Studioblitze hauptsächlich für die Studiofotografie gedacht. Ein 200 Ws-Blitz reicht für ein normales Studio-Shooting völlig aus, mehr Power benötigen Sie nur, wenn Sie große Räume komplett ausleuchten wollen - was in der People-Fotografie eher selten vorkommt. Kleinere Studioblitze liefern eine Leistung von 150 bis 300 Wattsekunden, größere Modelle bis zu über 1000 Wattsekunden.

Vorteile

  • auch bei kleineren Modellen ausreichend Leistungsreserven (People-Fotografie)

  • günstig

  • normalerweise zu gängigen Lichtformern kompatibel

Nachteile

  • mobil nur mühsam bzw. mit hohen Kosten nutzbar

  • Fernauslöse-Technik erforderlich

  • nur externe Belichtungsmessung möglich

Genau wie bei den Aufsteckblitzen werden in einschlägigen Tests interessanterweise stets die Blitze der Edelmarken (> 1000,-) empfohlen. Klar ist das sicherlich die beste Technik, die man für Geld bekommen kann, doch auch bei den Studioblitzen setze ich lieber auf günstigere Geräte. - Ich selbst besitze seit Jahren zwei Studioblitze (200 Ws für 100,- und 300 Ws für 150,-), die mich schon auf etlichen Indoor-Shootings und Workshops begleitet haben.

Sie sollten sich als Hobby-Fotograf die Frage stellen, wofür Sie Ihr Equipment tatsächlich benötigen. Seien Sie versichert: Ihren Fotos wird man nicht ansehen, ob sie von einem 100,- billigen oder 2.500,- teuren Blitz ausgeleuchtet wurden.

Sonne


Die Sonne ist die mit Abstand stärkste bekannte Lichtquelle. Sie strahlt pro Sekunde ca. 1,24 Exajoule (das sind 1,24 Trillionen Wattsekunden) an Energie auf die Erdoberfläche ab.

Vorteile

  • WYSIWYG (what you see is what you get) - Die Lichtsituation ist genau diejenige, die später auch abgelichtet wird.

  • kostenlos und praktisch unbegrenzt verfügbar

  • extrem hell

  • keine Fernauslöse-Technik nötig

Nachteile

  • äußerst hartes Licht (weil kleine Lichtquelle, siehe Grundlagen-Größenrelation)

  • unbeständig (Tageszeit, bewölkter Himmel etc.)

  • nur ortsabhängig verfügbar (nicht bzw. nur begrenzt in Innenräumen)

Obwohl die Sonne bei Fotografen eine sehr beliebte Lichtquelle ist, ist es - vor allem in der People-Fotografie - nicht ganz einfach, mit grellem Sonnenlicht akzeptable Bilder aufzu­nehmen.

Ein direktes Anstrahlen des Models führt zu (oft unerwünschten) harten Schlagschatten, die zwar die Konturen einwandfrei ausleuchten, das eigentliche Motiv jedoch im Schatten „ver­schwinden lassen“.

Natürlich können diese harten Schatten auch stilistisch eingesetzt werden, z.B. in der Schwarzweiß-Fotografie oder um das Model als Silhouette darzustellen. Meistens jedoch em­pfiehlt es sich, das Sonnenlicht „zu modifizieren“.

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Dies kann durch Reflexion (z.B. helle Wandflächen, Reflektor, s. Beispiel) oder durch Diffusion (also die Streuung des Sonnenlichts durch einen Diffusor oder z.B. einen Vorhang) erfolgen.

Vermeiden Sie außerdem, das Model direkt oder in Richtung der Sonne schauen zu lassen, zum einen ist es äußerst unangenehm und zum anderen kann es zu einem angespannten Gesichts­ausdruck oder zusammengekniffenen Augen führen.

LED-Lampen


Glaubt man der aktuellen Berichterstattung, hat der Blitz in der Fotografie bald ausgedient und wird durch die (natürlich teurere) LED-Technik abgelöst. Tatsächlich wird LED-Licht ständig weiterentwickelt, und inzwischen gibt es leistungsfähige LED-Lampen auch schon für Hobbyfotografen im bezahlbaren Bereich. Starke LED-Lampen liefern eine Leistung bis zu 600 Watt (ca. 450,-), günstige Modelle ca. 60 Watt (< 100,-). - Wichtig: Watt, nicht Wattsekunden! (dazu gleich mehr)

Vorteile

  • WYSIWYG (what you see is what you get) - Die Lichtsituation ist genau diejenige, die später auch abgelichtet wird.

  • vereinfachte Belichtungsmessung

  • keine Fernauslöse-Technik nötig

Nachteile

  • in direktem Vergleich zu Blitzlicht teuer

  • Licht ist permanent extrem hell

  • leistungsmäßig (noch) weit hinter Blitzen zurückliegend

  • Standard-Lichtformer nur bei wenigen (teuren) Modellen verwendbar

Die genannte Leistung von 600 Watt hört sich zunächst (z.B. im Vergleich zu einem 200Ws-Blitz) nach "sehr viel" an. Allerdings kann man die Wattzahlen der Dauerlichtquellen nicht mit den Wattsekunden der Blitze vergleichen (Leistung vs. Energie). Zum Vergleich mag folgendes Beispiel dienen:

Das linke Bild entstand mithilfe einer 75W-LED-Lampe (ca. 1m vom Motiv entfernt), einer Blende von 8 und einer Belichtungszeit von 1/5 Sekunden, das rechte Bild wurde mit einer in der Studiofotografie üblichen Belichtungszeit von 1/160 Sekunden aufgenommen.

Um bei einer Belichtungszeit von 1/160 genügend Licht auf den Kamerasensor fallen zu lassen, müsste die Lampe eine Leistung von 2400 Watt liefern (160 / 5 * 75), damit das Bild korrekt belichtet wird.

  •  LED - Blende 8 - 1/5s  
  •  LED - Blende 8 - 1/160s  

LED - Blende 2,8 - 1/40s

Anschließend habe ich die Kameraeinstellungen "LED-kompatibel" auf eine Blende 2,8 und auf eine Belichtungszeit von 1/40 Sekunden angepasst.

Dasselbe Bild wird mit einem Aufsteckblitz (1m Entfernung, Blende 8, 1/160s) erreicht - und das mit ¼ seiner maximalen Energie.

Blitz vs LED


Die derzeit existierenden gewaltigen Leistungs­unterschiede zwischen Blitzlicht und LED-Licht sind, dem Medien-Hype zum Trotz, nicht zu leugnen. Um leistungsmäßig (auch nur annähernd) zum Blitzlicht aufzuschließen, müssen bei der Verwendung von LED-Lampen Kompromisse eingegangen werden:

  • Verwendung einer weit geöffneten Blende (Schärfentiefe)

  • Verlängerung der Verschlusszeit (Verwacklungsgefahr)

  • Vermeidung „lichtschluckender“ Lichtformer (Leistung)

Ein weiteres gravierendes Problem ist das extrem grelle Licht der LED-Lampen, direktes Hineinschauen ist nicht möglich. Ein vorgesetzter Diffusor oder ein Lichtformer reduziert die ohnehin schwache Leistung noch weiter.

LED-Licht ist meiner Meinung nach (noch lange) keine Konkurrenz zu Blitzlicht. In der Ablichtung unbeweglicher Motive (z.B. Produktfotografie) oder Video-Aufnahmen ist es eine durchaus interessante Alternative, jedoch in der People-Fotografie ist es (für mich) unbrauchbar: Mit Blitzlicht ist die Verwacklungsgefahr praktisch ausgeschlossen, die in obigem LED-Beispiel erwähnten 1/40s oder gar 1/5s schieße ich nicht verwacklungsfrei aus der Hand.