Licht - Blitzsteuerung







Den eingebauten Kamerablitz, den Aufsteckblitz auf der Kamera oder den per Kabel an der Kamera angeschlossenen Blitz vergessen wir an dieser Stelle einmal. Wenn Sie sich intensiv mit der Licht-Modellierung beschäftigen, führt kein Weg am "entfesselten Blitzen" (Kamera und Blitz sind physisch nicht verbunden) vorbei.

Optische Steuerung


Die klassische (und billigste) Variante der Blitzauslösung ist die optische Ansteuerung. Hierbei löst ein „Master“-Blitz (in der Regel der Aufklapp-Kamerablitz) aus, die anderen „Slave“-Blitze „sehen“, dass geblitzt wird - und blitzen mit.

Sämtliche mir bekannten Aufsteck- und Studioblitze verfügen über eine eingebaute Servozelle.

Interessant ist, dass in Innenräumen noch nicht einmal eine direkte Sichtverbindung zwischen Master- und Slave-Blitzen bestehen muss, da die umgebenden Wände und die Decke den Masterblitz ausreichend reflektieren.

  •  Servozellen an Studioblitzen 
  •  Servozelle am Aufsteckblitz 

IR-Filtervorsatz

Fungiert der Aufklappblitz, der bekanntermaßen nur gerade nach vorne blitzt, als Master, ist es mitunter störend, wenn dieser "sein" Licht in das Lichtsetting mit einbringt.

Dies kann mit einem kleinen Stück Plastik (im Fachjargon: "Infrarot-Filtervorsatz"), das vor den Blitz positioniert wird, verhindert werden.

Die optische Blitzsteuerung funktioniert leider nicht immer zuverlässig: Bei der Außenanwendung ist zwingend eine direkte Sichtverbindung zwischen Master und Slave erforderlich, da normalerweise keine (den Masterblitz) reflektierenden Wände vorhanden sind.

Funksteuerung


Die heutzutage am häufigsten verwendete Methode, entfernte Blitze anzusteuern, ist die mittels Funksendern und -empfängern. Hier ist keine Sichtverbindung erforderlich, die Funksignale lassen sich durch Wände oder Gegenstände nicht beeindrucken und sollen bis zu 100 Meter reichen (was ich allerdings noch nie ausprobiert habe).

Die Funksteuerung kann ein sehr teurer (oder ein billiger) Spaß werden. Die Kamerahersteller bieten bekanntermaßen qualitativ hochwertige, aber auch sehr kostspielige und zu nichts anderem kompatible Lösungen an (> 500,-).

Yongnuo YN560-TX und RF603

Für den ambitionierten Hobby-Fotografen empfehle ich die chinesischen Funklösungen. Ich selbst setze seit Jahren (ohne Ausfall oder Defekte) Geräte der sehr günstigen chinesischen Marke Yongnuo ein. Ein Set aus zwei RF603 (rechts im Bild) oder RF605, die Sender und Empfänger in einem sind, erhalten Sie für unter 40,-.

Sollten Sie auch Yongnuo Aufsteckblitze YN-560 Mark III (oder IV) besitzen, empfehle ich die Anschaffung des Funkcontrollers YN560-TX (links im Bild, ca. 40,-), der die Blitze nicht nur ansteuern, sondern auch deren Leistung regeln kann.

TTL-Steuerung


Bei den bislang vorgestellten Steuer-Methoden handelt es sich um einfachste Kommunikation zwischen Kamera und Blitz. Die Kamera sendet den Befehl "Blitz!“ - und der Blitz blitzt, das war‘s. Bei der Blitzsteuerung mittels TTL (= Through the lens) kommunizieren Kamera und Blitz (der TTL-fähig sein muss) vor der eigentlichen Auslösung miteinander. Der TTL-Blitz sendet extrem kurze Vorblitze aus, die Kamera misst das einfallende Licht, ermittelt die notwendige Lichtmenge für die korrekte Belichtung und sendet Steuerbefehle an den Blitz. Hier kocht jeder Kamerahersteller sein eigenes, zu anderen Systemen inkompatibles, Süppchen. - Für Nikon benötigen Sie z.B. einen zum Nikon-i-TTL-System kompatiblen Blitz, der wiederum mit anderen Kameras (z.B. Canon) nicht zusammenarbeitet.

Yongnuo YN-622-TX und YN-622N

Starke und günstige TTL-Trigger bietet die chinesische Firma Yongnuo an (YN-622N für Nikon-kompatible Blitze und YN-622C für Canon). - Der passende TTL-Controller zu den Triggern ist der YN-622-TX, mit dem die Funkauslöser ferngesteuert werden können.

Um zu demonstrieren, wie beeindruckend die TTL-Technik ist, habe ich 5 Bilder im gleichen Setting mit konstanten Kameraeinstellungen aufgenommen. Lediglich der Blitz (Aufsteckblitz Yongnuo i-TTL YN-568EX für Nikon, 65Ws, ca. 90,-) wurde immer weiter vom Motiv entfernt (1m, 2m, 3m, 4m, 8m). Am Blitz selbst wurden ebenfalls keine Einstellungen verändert, sein eingebauter Zoom stand permanent auf 24mm, ausgelöst wurde durch die (Nikon-)TTL-fähigen Funkauslöser Yongnuo YN-622N.

Wie leicht zu erkennen ist, sind alle 5 Bilder nahezu identisch (und korrekt) belichtet, die Vergrößerung des Abstands kann lediglich am Schattenverlauf erkannt werden. Unabhängig von dieser technischen Meisterleistung wird aber auch eindrucksvoll demonstriert, wie leistungsfähig Aufsteckblitze sind. Bei 8 Metern (!) Entfernung leuchtet der Blitz das Motiv immer noch einwandfrei aus. Ich habe das Setting mit dem manuellen Zwillingsbruder des TTL-Blitzes, nämlich dem YN-560 Mark III (ebenfalls 65Ws), nachgestellt, um zu ermitteln, wieweit der Blitz bei einer Entfernung von 8 Metern ausgelastet war: 100% Leistung, bei dieser Entfernung scheint also die Leistungsgrenze zu liegen.

Dieses Beispiel zeigt allerdings auch, wo der Haken bei der TTL-Technik liegt: Sie geben nämlich durch diese „Licht-Automatik“ die Kontrolle über das Licht auf - und damit auch die Möglichkeit, „mit Licht zu zeichnen“. Bei Settings mit mehreren Blitzen wird das Ganze schnell unübersichtlich, da Sie nicht wissen, wie stark welcher Blitz feuert. Zwar kann die Blitzstärke (begrenzt) über die Kamera oder einen TTL-Controller gesteuert werden, bei aufwändigen Setups empfinde ich das jedoch als zu mühsam.

Die TTL-Technik setze ich normalerweise nur ein, wenn es schnell gehen soll, ich nicht die Möglichkeit habe, ein durchdachtes Lichtsetup zu erstellen und mit Lichtformern zu arbeiten, also z.B. auf Hochzeiten oder ähnlichen Veranstaltungen.