Kameras







Ich möchte versuchen, an dieser Stelle einige Tipps zu geben, um Menschen, die sich mit der Hobby-Fotografie beschäftigen, vor (kostenintensiven) Fehlentscheidungen zu bewahren.


Nachdem ich mich nach langen Jahren der Benutzung von kleinen Automatik-Kompaktkameras (und später Bridge-Kameras) entschieden hatte, tiefer in die Digitalfotografie einzusteigen, wälzte ich zunächst Berge von Foto- und Test-Magazinen auf der Suche nach der allerbesten (und für mich gerade noch erschwinglichen) Kamera. Das was mein erster Fehler - in einer Reihe weiterer, die im Laufe der Zeit noch folgen sollten.

Der wichtigste Tipp: Investieren Sie lieber in Objektive als in Kameras. - Alle Hersteller werfen in immer kürzer werdenden Intervallen neue Modelle auf den Markt, Ihre drei Jahre alte Top-Kamera ist heute bereits ein Auslaufmodell. - Objektive dagegen erhalten ihren oft Wert über Jahrzehnte hinweg.

Canon, Nikon, Sony?


Nach einigen Jahren Fotografie-Praxis mit verschiedenen Kameras kann ich diese Frage in Bezug auf die Hobby-Fotografie recht einfach beantworten: Völlig egal! Es ist heute (im Jahr 2017) praktisch unmöglich, bei einem der namhaften Hersteller eine wirklich schlechte Kamera zu kaufen. Die einzelnen Modelle unterscheiden sich natürlich in Ausstattung, Material und Zubehör. Von der einfachen "Consumer"-Kamera für wenige Hundert Euro bis hin zu Profi-Modellen für etliche Tausend Euro ist je nach Vorliebe und Geldbeutel alles zu haben. Das wichtigste Kriterium bei der Systemauswahl sollte die Möglichkeit zum Objektivwechsel sein, damit Sie auch bei fortschreitender Fotografie-Tätigkeit flexibel bleiben. - Ich für meinen Teil habe vor Jahren Nikon "geheiratet" und bin auch sehr zufrieden mit meiner Entscheidung. (Die anderen Hersteller bauen allerdings ebenso gute Kameras und Objektive.)

Formfaktor (Größe des Sensors)?

Es gibt, denke ich, kein Thema, das im Internet so heiß diskutiert wird wie die Größe des Sensors in Digitalkameras. Wahre Glaubenskriege habe ich da in manchen Foren mit teilweise hunderten Beiträgen verfolgt. Jeder verteidigt "seine" Technik bis aufs Blut.

Das Ganze wurde/wird durch teilweise fragwürdige und mitunter überflüssige Berichterstattung durch die "unabhängigen" Medien angeheizt.

So um 2014 herum begann die einschlägige Foto-Presse damit, das bei den meisten Foto-Amateuren beliebte Halbformat (APS-C, DX) "totzuschreiben". Richtig gute Fotografen (oder solche, die es werden wollen) arbeiten mit Vollformat-Kameras (FX), so die überall verbreitete Devise, der Boom wurde durch die großen Hersteller mächtig gepusht. - Man hatte in den letzten Jahren festgestellt, dass sich mit der immer größer werdenden Anzahl fotobegeisterter Amateure viel Geld verdienen ließ, und da Vollformat-Equipment locker das doppelte oder dreifache an Umsatz generiert, mussten die Fotografen auf die neue Zeit eingeschworen werden.

Zwischen Vollformat und Halbformat liegen "Welten" - und zwar preislich. Starten Einsteiger-Systeme mit Halbformatsensoren bei ca. € 350,- (inkl. Objektiv), müssen Sie für eine Einsteiger-Vollformat-Kamera mit mindestens € 1.200,- rechnen (ohne Objektiv). Und die Vollformat-Objektive sind üblicherweise auch wesentlich teurer als ihre kleinformatigeren Kollegen.

Diese Rechnung der Kamerahersteller ging nicht auf. Der Großteil der Hobbyfotografen ist nach wie vor nicht bereit, weit über 1.000,- für ein Kameragehäuse auszugeben und fotografiert weiterhin im Halbformat. Nikons Marketingstrategen haben das inzwischen mitbekommen und bringen weiterhin DX-Modelle auf den Markt (z. B. D7500, D5600, D3400). - Von "Halbformat ist tot" will da heute keiner mehr was wissen. (Die anderen großen Hersteller sind aber auch nicht besser.)

Ich selbst habe mich von den ganzen "Vergleichen" und "Empfehlungen" anstecken lassen und meine famose APS-C-Kamera (Nikon D7100) gegen eine Vollformat-Kamera (Nikon D750) eingetauscht. - Das Ergebnis war ziemlich ernüchternd, meine Bilder wurden durch die neue Kamera nicht besser (aber auch nicht schlechter).

Vollformat-, APS-C-, MFT- oder 1"-Sensor? - Egal, die Technik ist inzwischen soweit fortgeschritten, dass das Sensorformat auf die Bilder eines Hobby-Fotografen (wie Sie und ich) kaum bzw. gar keinen Einfluss haben wird.

Eines dieser beiden Bilder ist mit einer Vollformat-, das andere mit einer Halbformatkamera entstanden.

Na, erkennen Sie den Unterschied zwischen Halb- und Vollformat?

Einen wirklich guten Vergleich kann man zu Automobilen ziehen: Natürlich ist ein teurer Sportwagen mit 400 PS ein qualitativ "besseres" Auto als ein günstiger Mittelklassewagen. Aber die Frage, die man sich stellen sollte, ist: Was mache ich denn damit? - Wenn ich nur ab und zu mal über die Autobahn brettere und die meiste Zeit mit Familie und Hund kleine Strecken fahre, ist es wahrscheinlich schlauer, den Mittelklassewagen zu wählen - und eine Menge Geld zu sparen.

Tipp: Sparen Sie lieber an der superteuren Vollformat-Kamera (die Sie vielleicht niemals ausreizen werden) und investieren das Geld besser in Ihre fotografische Ausbildung (Kurse, Workshops, Model-Sharings). Oder, um beim Auto-Beispiel zu bleiben: Wenn man einen teuren Sportwagen kauft, kann man nicht automatisch besser Autofahren.

DSLR / DSLM?

Der nächste Medien-Hype, der ca. 2015 massiv über die Gemeinde der Fotografen hinwegschwappte, war die Ankündigung des Endes der Spiegelreflextechnik. Die Zukunft der Fotografie läge bei den spiegellosen Kameras, so die alternativlose Message.

In der Tat hat die Entwicklung der spiegellosen Kameras in den letzten Jahren gewaltige Fortschritte gemacht. Neben ihrer - durch den Verzicht auf das Spiegelgehäuse - kompakteren Bauweise wurden im Lauf der Jahre auch die Sensoren ständig weiterentwickelt. Hatte man anfangs noch proprietäre Mini-Sensoren verbaut, sind heutzutage meistens Halbformatsensoren im Einsatz, einige Hersteller (z.B. Sony) verbauen sogar Vollformatsensoren in ihren Topmodellen.

Vorteile DSLM

  • "Focus-Peaking"
    Die scharfen Bereich des Bildes werden im Sucher bzw. auf dem Display farblich hervorgehoben. Die meisten DSLR bieten hier lediglich einen Schärfeindikator (bei Nikon z.B. ein kleiner Punkt im Sucher).

  • angepasstes Sucherbild
    Die Vorschau im Sucher bzw. Display kann bei ungünstigen Lichtverhältnissen einfach "hell gerechnet" werden, was eine bessere Bewertung des künftigen Bildes ermöglicht. - Das ist gerade in der Studiofotografie beim Einsatz von Blitzen klasse: Mit DSLR ist man auf externes Licht für die Bildeinstellungen angewiesen.

  • Adaptierbarkeit
    Wenn man Spaß an der manuellen Fotografie bzw. alten manuellen Objektiven hat, ist man bei den meisten DSLM genau richtig. Da die Kameras normalerweise über ein sehr kleines (Objektiv-) Auflagenmaß verfügen, gibt es für praktisch jedes alte Objektivformat einen passenden Adapter.

  • Größe/Gewicht
    DSLM sind gegenüber DSLR aufgrund ihres fehlenden Spiegelgehäuses einfach kompakter. Mit einem Pancake-Objektiv ausgestattet sind sie kaum größer als eine Kompaktkamera.

Nachteile DSLM

  • Stromverbrauch
    Da das Vorschaubild im Sucher bzw. Display immer berechnet werden muss und aufgrund der Kompaktheit der Kamera meistens kleinere Akkus verwendet werden, halten die Akkus der DSLM in der Regel nicht lange durch. - Genügt z.B. bei meiner Nikon D750 eine einzige Akkuladung locker für ein fünfstündiges Shooting, muss ich bei der Fuji X-E2 mindestens zweimal einen frischen Akku einlegen.

  • lahmer Autofokus
    Im Vergleich zu den DSLR geht der Autofokus der DSLM gemächlicher zu Werke. Zwar wird im DSLM-Bereich kräftig weiterentwickelt, dem Speed einer modernen DSLR hinken die DSLM noch weit hinterher.

  • Objektive
    Kann man bei Nikon oder Canon auf ein riesiges Angebot an Objektiven in verschiedenen Preisklassen zugreifen, ist man - sofern man Autofokus & Co. nutzen möchte - auf die qualitativ sehr guten, aber leider sündhaft teuren Objektive der Kamerahersteller angewiesen. Für Freunde manueller Fotografie bietet sich jedoch ein riesiger Fundus an alten Schätzchen.

  • kein WYSIWYG
    Anders als bei den DSLR-Kameras sieht man durch den Sucher nicht exakt das, was die Kamera "sieht", sondern ein berechnetes Bild, d.h. das aufgenommene Foto kann anders aussehen (z.B. Farbtemperatur, Kontraste) als man es zum Zeitpunkt der Aufnahme erwartet hatte (auch im RAW-Format).

Egal, für welche Sorte Kamera man sich entscheidet: Spaß macht das Fotografieren mit beiden Technologien, und die Abbildungsleistung ist heutzutage generell spitze.

Die ISO-Frage


Wie machen Sie eigentlich Fotos bei schlechten Lichtverhältnissen (z.B. in der Dämmerung oder in geschlossenen Räumen)? - Richtig, Sie öffnen die Blende und/oder fotografieren mit einer längeren Verschlusszeit. Reicht das Licht immer noch nicht aus, verwenden Sie ein Stativ und erhöhen die Verschlusszeit noch weiter. Außerdem haben Sie ja noch den Blitz ...

Aber was, wenn Sie so nicht arbeiten können? - Bei der Hochzeitsfotografie werden Sie mitunter in einer Kirche oder im Standesamt fotografieren, und nicht jeder Pfarrer oder Standesbeamte erlaubt Blitzlicht während der Zeremonie. Auch das Hantieren mit einem sperrigen Stativ während der Trauung macht sicherlich weder Ihnen noch den anderen Gästen Spaß.

Die Lösung ist simpel: Erhöhen Sie den ISO-Wert!

Am Anfang (mein Wissen stammte aus unzähligen Fotozeitschriften) wusste ich: Hohe ISO-Werte erzeugen Bildrauschen und sind daher schlecht. Auch in den meisten Foto-Foren wurde immer wieder das "Rauschverhalten" von Kameras heiß diskutiert. Also stellte ich meine Kamera auf den kleinstmöglichen ISO-Wert ein - und ignorierte ihn künftig. Im Nachhinein möchte ich gar nicht wissen, wie viele tolle Bilder ich deswegen verpasst habe...

Rauschverhalten


Das "Rauschverhalten" von Kameras ist nämlich seit Jahren nahezu vernachlässigbar. Hier mal ein Beispiel (von links nach rechts) mit ISO 200, 800, 6400 und 6400 (1-Klick-Rauschreduzierung in Lightroom):

  •  ISO 200 
  •  ISO 800 
  •  ISO 6400 
  •  ISO 6400 (Lightroom) 

Und? Sehen Sie einen eklatanten Unterschied zwischen den vier Bildern? Als Kamera kam meine kleine Systemkamera Fuji X-E2 zum Einsatz, der in diversen Tests "kein gutes Rauschverhalten" bescheinigt wird. Hier Bildausschnitte in 100%-Ansicht:

  •  ISO 200 
  •  ISO 800 
  •  ISO 6400 
  •  ISO 6400 (Lightroom) 

Natürlich "rauscht" es bei höheren ISO-Einstellungen, und wenn Sie die Bilder in der 100%-Ansicht betrachten, werden Sie das Rauschen auch sehen können. Aber mal ehrlich: Wenn Sie Qualität Ihrer Bilder grundsätzlich in der 100%-Ansicht beurteilen, sollten Sie ernsthaft überlegen, ob die Fotografie das Richtige für Sie ist. - Vielleicht wäre die Anschaffung eines Mikroskops sinnvoller.

Für einen normalen Menschen, der sich die Bilder im Internet oder auf DIN-A4-Ausdrucken anschaut, ist das Bildrauschen heutzutage praktisch nicht mehr wahrnehmbar. Außerdem ist es für ein aktuelles Bildbearbeitungsprogramm ein Klacks, das Rauschen ganz verschwinden zu lassen (rechtes Bild).

Tipp: Bevor Sie aufgrund schlechter Lichtverhältnisse auf ein Bild verzichten oder mit verwackelten Bildern vorlieb nehmen, erhöhen Sie lieber die ISO-Einstellung an Ihrer Kamera.

Erste Kameras


Meine erste "hochwertige" Kamera war Ende der 90'er eine analoge SLR von Sigma. - Ich bin sicher, dass das damals eine tolle Kamera war, aber weil ich zu der Zeit halt absolut keine Ahnung von der Fotografie hatte, endete das Experiment mit einem Haufen mieser und fehlbelichteter Fotos, die ich für teures Geld entwickeln ließ. Als mir die Sigma zu allem Überfluss auch noch gestohlen wurde, endete damit mein erster Ausflug in die Welt der Fotografie.

Es folgten einige Jahre der (ziemlich sinnfreien) Rumknipserei mit digitalen Kompaktkameras und zu guter Letzt einer Bridgekamera (Panasonic Lumix DMC-FZ30).

2009 wollte ich nach der Teilnahme an einigen VHS-Fotokursen mit der zu dieser Zeit topaktuellen Nikon D90 meine ersten "richtigen" Gehversuche in der Fotografie machen. Die D90 war für mich eine gerade noch bezahlbare DSLR, die aber schon über etliche und durchdachte Features verfügte und durch die "meine Fotoleidenschaft entfacht wurde" (so der Werbeslogan). Ich begann, mich für verschiedene Objektive zu interessieren, entdeckte die Welt der Festbrennweiten und führte meine ersten Model-Shootings durch.

Abgelöst wurde die D90 erst 2013 durch das damalige Top-Modell von Nikon in der APS-C-Klasse: der Nikon D7100, die für mich einen gewaltigen technologischen Schritt bedeutete (24,1 statt 12,3 MPixel , 51 statt 11 Fokusmessfelder, Display mit 1,2 MPixel statt 300 KPixel etc.). Da es sich bei der D7100 um die natürliche Nachfolgerin der D90 handelte, beschränkte sich die Umstellung auf ein Minimum.

Dank der 7100 stieg ich tiefer in die Fotografie ein: Ich wälzte Bücher, besuchte Workshops, buchte Coachings und wurde mit der Zeit immer sicherer in der Fotografie.

Nikon D750


Durch den Vollformat-Boom angesteckt, schickte ich 2015 meine absolut ausreichende D7100 (DX) nach nur drei Jahren in Rente und stieg mit der D750 in die Oberklasse der Nikon-Kameras (FX) ein. Die D750 (ca. 1.700,-) ist in Nikons Vollformat-Portfolio das Äquivalent zur D7xx im Halbformatbereich. "Darüber" gibt es nur noch die D850 und die D5, die beide (auch) aufgrund ihres astronomischen Preises (ca. 3.800,- bzw. 5.800,-) ganz klar dem Profi-Lager zuzuordnen sind, "darunter" wird noch die D610 als "Einsteiger-FX" angeboten, die jedoch mit ihren ca. 1.250,- zwar 450,- günstiger als die D750 ist, dieser jedoch nicht das Wasser reichen kann.

Bereits beim Auspacken und den ersten Testfotos dachte ich: Was für eine geile Kamera ...
Die Kamera ist mit 840g nicht gerade leicht (aber auch nicht sonderlich schwer) und relativ kompakt.

Von der Verarbeitung her und in Bezug auf die verwendeten Materialien kann ich nur sagen: edel.
Nikon hat die Griffmulde recht tief geformt, was ein extrem gutes Haltegefühl ermöglicht.

Die Bedienelemente und die Menüführung entsprechen weitgehend denen der D7100, also Head-Display, 2 Wahlräder (Blende und Verschlusszeit), 2 SD-Kartenfächer, eingebauter AF-Motor, ein helles hochauflösendes Display und genügend Knöpfe, von denen sich die meisten frei belegen lassen. Ungewöhnlich ist in dieser Kameraklasse das (leider nur vertikal) klappbare Display.

Auch unter der Motorhaube hat die D750 einiges zu bieten: Autofokus-System, Display und Belichtungsmessung entsprechen den Systemen der D4S bzw. der D810, sie verfügt über 51 (!) AF-Messfelder, ist rasend schnell (6 Bilder/Sekunde) und hat phantastische ISO-Eigenschaften. Mit der D7100 konnte ich sorglos bis ISO 1600 fotografieren, bei der D750 rauscht es kaum bis ISO 6400 (die noch höheren ISO-Stufen habe ich noch nie benötigt).

Ken Rockwell ist in seinem ausführlichen Review ganz aus dem Häuschen. Auch Gunther Wegner hat auf seiner Seite ein sehr schönes Praxis-Review zu der Kamera verfasst.

Ist die D750 eine phantastische Vollformatkamera? Definitiv ja - Haptik, Verarbeitung und Bildqualität bieten so ziemlich das beste Preis-Leistungsverhältnis, das man derzeit (2018) im teuren Vollformatbereich erwarten kann.

Braucht man die D750, um gute Fotos zu machen? Nein, der "normale" Hobbyfotograf kann mit einer (Halbformat-)Kamera für die Hälfte des Geldes genauso gute Bilder produzieren. Aber wer das Geld locker sitzen und Spaß an der Technik hat, dem sei geraten, diese Kamera einmal in die Hand zu nehmen.

Fujifilm X-E2


Da ich auf Shootings gerne technisch auf Nummer sicher gehe, beschloss ich, mir eine zweite Kamera zuzulegen. Außerdem reizte mich der technische Aspekt der spiegellosen Kameratechnik von Anfang an, und so entschied ich mich für die Fujifilm X-E2, eine unscheinbare DLSM im Retro-Look.

Die Fujis und ihre Objektive sind beeindruckende technische Wunderwerke, die allerdings auch ihren Preis haben. Ca. 700,- muss man allein für das Gehäuse der X-E2 (inzwischen gibt es eine Nachfolgerin, die X-E3 für ca. 900,-) hinlegen. Das (hervorragende) Standardzoom XF18-55 f/2.8-4 schlägt mit rund 700,- zu Buche, im Kit (X-E3 + XF18-55 f/2.8-4) ist man mit ca. 1.300,- dabei.

Fujifilm hat eine große Auswahl extrem guter AF-Festbrennweiten (XF) im Portfolio, die aber mit Preisen jenseits 800,- astronomisch teuer sind. Wie bei den meisten DLSM können jedoch mittels Adapter (ca. 20,-) alle möglichen Objektivmarken (z.B. Nikon, Canon, Minolta) an die Kamera geschraubt werden. Das bedingt zwar, manuell zu fotografieren (also ohne Autofokus & Co.), erschließt allerdings eine riesige - und vor allem erschwingliche - Anzahl an Möglichkeiten.

Von der Haptik her empfehle ich aufgrund der sehr kompakten (und rechteckigen) Bauweise der X-E2 dringend den optional erhältlichen Handgriff MHG-XE, erst mit diesem liegt die X-E2 richtig gut in der Hand.

Die X-E2 eignet sich meines Erachtens nicht für Anfänger in der Fotografie, da sie hauptsächlich manuell per Einstellräder bedient wird und weder über ein Klappdisplay noch über großartige Automatiken verfügt. Nach einer intensiven Einarbeitung in die Bedienung fand ich jedoch sehr schnell schnell Spaß am Arbeiten mit dem kleinen Teil.

Nikon D3300


Meine absolute Lieblingskamera ist die D750 (logisch). - Allerdings erhöhte sich in der Vergangenheit jedes Mal mein Blutdruck, wenn ich mich auf Urlaubsreisen mit einigen tausend Euro um den Hals durch Menschenmengen drückte oder mich in dunklen Gassen herumtrieb. Eine "Urlaubskamera" für wenig Geld musste her, am besten eine, die sich auch mit meinen vorhandenen Nikon-Objektiven verträgt ...

Nach kurzer Überlegung schaffte ich mir (ohne große Erwartung) Nikons Einsteigerkamera D3300 für ganze 300,- an - und war maßlos überrascht, als ich sie in Händen hielt.

Die Halbformat-Kamera besteht hauptsächlich aus Kunststoff, ist klein, wiegt praktisch nichts (ca. 410g) und verfügt über einen 24 Megapixel-Sensor, ein 3"-Display (900k) und einen 11-Messfeld-Autofokus. An Bedienelementen ist nur das Nötigste da, der Vergleich zur D750 ist natürlich albern, hier liegen in Bezug auf Verarbeitung und Features (und Preis) Welten zwischen den beiden Kameras.

Aber dennoch: Es ist eine erstaunlich gute und leichte Kamera (nicht nur für Einsteiger), die Preis-/Leistungsmäßig nicht zu schlagen ist und klasse Bilder macht. Der gute Ken Rockwell meint in seinem Test: "The Nikon D3300 is a wonderful camera for anything".

50mm - 1/400s - f/8 - ISO 100

Die D3300 verträgt sich selbstverständlich mit sämtlichen Nikon-Objektiven, aber vor allem mit meinen alten Schätzchen, die sich nach dem Chippen wie "moderne" Linsen verhalten.

Mein Fazit: Egal, ob als Einsteiger-, Zweit- oder Urlaubskamera - die D3300 macht eine phantastische Figur und liefert hervorragende Bilder.

Interessanterweise soll das Nachfolgemodell D3400 nicht besser, sondern sogar schlechter sein als die D3300, da es Nikon wohl etwas mit der "Kostenoptimierung" bei der Herstellung übertrieben hat. - Im Kit mit dem wirklich sehr guten Zoomobjektiv AF-P 18-55 VR kostet die D3300 aktuell (Mai 2018) ca. 500,- und die D3400 445,-. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt ...