Themen-Shootings - Vorbereitung

Unterschätzen Sie nicht den zeitlichen Aufwand für ein Themen-Shooting. Ich persönlich rechne mit einer Mindest-Vorlaufzeit von ca. drei Wochen, vier oder gar acht Wochen sind für mich normal. Allein für die Vorarbeiten in diesem Kapitel sollten Sie ungefähr eine Woche einkalkulieren, und danach haben Sie als Ergebnis lediglich ein paar Zettel mit Stichworten.

Meine wichtigste Empfehlung: Setzen Sie sich nicht unter Druck, lassen Sie sich Zeit. In den letzten Jahren habe ich maximal alle ein oder zwei Monate ein Themen-Shooting durchgeführt. - Für mich ist das eine ausgewogene Freizeit-Auslastung, ohne dass das Hobby zu Stress mutiert.

Themenfindung


Die Themenfindung ist der wichtigste, schwierigste, aber auch der kreativste Teil, Sie fangen nämlich mit gar nichts an. Sie müssen zunächst eine Idee für ein Thema entwickeln, und hier sind Ihrer Phantasie absolut keine Grenzen gesetzt.

Bei der Themenfindung ist zu beachten, dass Sie Ihre Idee nicht 1:1 nachfotografieren müssen, der Grundgedanke ist Ihre persönliche Interpretation des Themas! Hier mal ein paar Vorschläge zur Inspiration:

  • Filme - Völlig egal, ob es sich dabei um Oscar-prämierte Streifen, das grottigste B-Movie oder eine Fernsehserie handelt - Kernfrage: Was hat Ihnen an dem Film gefallen bzw. beeindruckt (z.B. Handlung, Schauspieler, Kostüme, Atmosphäre, Szenen etc.)? Hier sollten Sie unbedingt auch die Nebenrollen beachten, manchmal sind diese spannender oder tragischer als die Heldin/der Held.

  • Persönlichkeiten - Auch hier ist es völlig egal, ob es sich um Schauspieler, Wissenschaftler, Politiker, Musiker oder Nachrichtensprecher handelt - Kernfrage: Was ist an einer bestimmten Person spannend (z.B. Aussehen, Taten, Lebenslauf, Skandale etc.)?

  • Literatur - Ja, auch im 21. Jahrhundert soll es Menschen geben, die Bücher lesen. Ob es sich dabei um Thriller, Liebesromane, Comics, Horrorgeschichten oder Science-Fiction handelt, spielt keine Rolle - Kernfrage: Was an einem bestimmten Buch hat Sie beeindruckt (z.B. Haupt- oder Nebenfigur, Handlung, Szenerie)?

  • Märchen/Sagen – Blättern Sie mal ein beliebiges Märchen- oder Sagenbuch durch, Sie werden erstaunt sein, was da an phantasievollen Ideen drinsteckt - Kernfrage: Was an einer bestimmten Geschichte hat Sie am meisten beeindruckt (z.B. gute oder böse Figur, Szenerie, Handlung)?

Wichtig: Bei der Themenfindung ist zu beachten, dass Sie Ihre Idee nicht 1:1 nachfotografieren müssen, der Grundgedanke ist Ihre persönliche Interpretation des Themas!

Was Sie vermeiden sollten

Was Sie bei der Themenfindung unbedingt vermeiden sollten, ist die Einholung der Meinung von Freunden, Bekannten oder Verwandten.

Ein Beispiel: Ich hatte mir das Thema „Tomb Raider“ (in den Verfilmungen mit Angelina Jolie in der Hauptrolle als „Lara Croft“) vorgenommen. Zugegebenermaßen sind diese Streifen (und auch die Computerspiele) nicht gerade Oscar-verdächtig, und die Handlung ist ebenfalls recht überschaubar.

Allerdings fand ich viele der Action-Szenen und vor allem die Figur der Lara Croft einfach klasse umgesetzt. Ich machte den (Riesen-)Fehler, während der Ideenfindung Leute in meinem Umkreis nach Ihrer Meinung zu Thema, Model & Co. zu fragen. - Alle, aber auch wirklich alle, mit denen ich gesprochen habe, rieten mir davon ab:

  • „Gibt’s doch schon tausendmal“

  • „Die Filme waren doch doof“

  • „Die sieht doch gar nicht aus wie Angelina Jolie“

  • „Was willst Du denn da groß machen?“

  • „Das ist doch eine Spielfigur“

Das waren so die üblichen Reaktionen. Völlig verunsichert entschied ich mich trotzdem dafür, das Thema anzugehen.

Und siehe da: Nachdem ich mein Konzept erstellt hatte, Location und Model ausgesucht und Shooting-Szenen entwickelt hatte, fanden dieselben Personen, die mir ursprünglich davon abgeraten haben, das Thema auf einmal gar nicht mehr so „doof“ und waren beim Betrachten der fertigen Bilder absolut begeistert.

Fazit: Verlassen Sie sich ausschließlich auf Ihre Ideen, Ihre Intuition und vor allen Dingen: Gehen Sie ein Thema an, auf das Sie Lust haben.

Kopien

„Kupfern“ sie keine Themen von anderen Fotografen oder von Tutorial-DVD's ab. Das Ergebnis ist meistens schlechter als das Original. Außerdem haben Sie stets das Gefühl, dass die Idee nicht von Ihnen stammt und Sie nicht den kompletten Ablauf selbst entwickelt haben - aber gerade das macht den Charme eines Themen-Shootings aus.

Themenrecherche


Nehmen Sie sich Papier und Stift und notieren sich Stichpunkte, die Ihnen zu dem von Ihnen ausgewählten Thema einfallen. Denken Sie auch an Querverweise (z.B. Gab es schon mal eine oder mehrere Verfilmungen des Themas bzw. zu der Person?). Recherchieren Sie das Thema im Internet (gerne auch mit dem zusätzlichen Stichwort „Shooting“). Nachfolgend mal ein Beispiel zum Thema „Rotkäppchen“.

Ad-Hoc-Stichworte:

  • Rotkäppchen - junges Mädchen, roter Umhang, Körbchen

  • Wald, einsam, düster, evtl. eine Burgruine

  • Böser Wolf

  • Wolf frisst/tötet Großmutter

  • Kampf zwischen Rotkäppchen/Jäger und Wolf

Querverweise:

  • Verfilmung „Little Red Riding Hood“ (2011, mit Gary Oldman)

Internet-Recherche:

  • Laden Sie sich interessante Beispielbilder runter (bitte hier unbedingt die Bildrechte beachten)

  • Thema wird meistens als Pseudo-Akt-Shooting umgesetzt (halbnacktes oder nacktes Model mit rotem Käppi/Cape im Wald)

Themenanalyse


Erweitern Sie nun die Liste Ihrer Ad-Hoc-Stichwörter aus der Recherche, indem Sie die einzelnen Punkte näher beleuchten.

Bewertung der Internet-Recherche

Anhand des „Rotkäppchen“-Beispiels wird klar, wie dürftig interessante Themen oft umgesetzt werden: Bei den meisten der vielen Bilder zu Rotkäppchen-Shootings, die ich im Internet gefunden habe, spielt das „Thema“ überhaupt keine Rolle.

Es geht (meistens) nur darum, ein hübsches Model (halb-)nackt im Wald zu fotografieren, und irgendetwas „rotes“ auf den Bildern oder ein (meist schlecht) hineinkopierter Wolf soll dann den Bogen zum eigentlichen Thema spannen.

Aber unabhängig davon können Sie viele Informationen aus den gefundenen Websites bzw. Bildern ziehen (z.B. Locations, Outfits, Accessoires).

Prüfung auf existierende Verfilmungen

Sollte es eine Verfilmung zum (oder über das) Thema geben, schauen Sie sich diese an. Denn auch hier können Sie wieder eine Menge an Ideen und Denkansätzen für Ihr Shooting absaugen. Beispiel: Bei der Recherche zu einem „Schneewittchen“-Shooting stieß ich auf den Film „Snow White and the Huntsman“.

Als ich ihn mir anschaute, fiel mir die (tragische) Figur der bösen Königin Ravenna (Charlize Theron) auf. Diese Rolle fand ich wesentlich spannender als die des Schneewittchens (Kirsten Stewart), also machte ich sie zur Hauptperson in meinem Shooting.

Dasselbe gilt auch, sollten Sie sich für eine Persönlichkeit (z.B. Schauspieler/-in) als Thema entschieden haben. Schauen Sie sich Filme mit der bzw. über die Person an.

Verfilmungen können Ihnen meistens viele weitergehende Anregungen liefern:

  • Was für einen Typ verkörpert die Person? (z.B. Femme Fatale, Femme Fragile)

  • Kostüme, Outfits, Accessoires, Waffen

  • Locations

  • Welche Stimmung transportiert der Film? (z.B. trist, deprimierend, Endzeit-Stimmung)

  • Nebenrollen (oft ein Geheimtipp)

Wichtig: Notieren Sie sich die Szenen, die Ihnen am besten gefallen bzw. erstellen Sie Screenshots der Szenen.

Analysieren der Stichworte

Nehmen Sie sich die in der Themenrecherche gemachten Ad-Hoc-Stichworte unter folgenden Fragestellungen vor und erweitern Sie Ihre Notizen:

  • Welcher Model-Typ passt zu meinem Thema? - Definieren Sie hier nur den Typ des Models, d.h. legen Sie sich auf keinen Fall jetzt schon auf ein bestimmtes Model fest. Beispiel:

  • Mitte/Ende 20

  • lange glatte blonde/brünette Haare

  • groß, schlank

  • Typ „Charlize Theron“ (markantes Gesicht)

  • sollte ein Schwert oder einen Dolch glaubwürdig halten können

  • Welche Outfits/Requisiten/Accessoires machen die Szenen aus? - Notieren Sie sich, welche Dinge Ihnen an der Szene als erstes ins Auge fallen. Beispiel:

  • Schwert (Mittelalter) oder langer Dolch

  • Frühstückskorb

  • rotweiß-kariertes Deckchen

  • Welcher Typ Location würde zum Thema passen? - Legen Sie auch hier erst einmal nur die Art der Location fest. Beispiel:

  • düster, unheimlich

  • Mauern, Bruchsteinwände

  • alter Bahnhof, Unterführung oder Industriegelände

  • Benötige ich für das Shooting Composing-Komponenten (z.B. Bildhintergründe)? - Bei einem Weltraum- oder Raumschiff-Thema werden Sie Probleme haben, eine halbwegs authentische Location zu finden. Die Szenen könnten in diesem Fall vor einem neutralen Hintergrund aufgenommen und dann später mittels Bildbearbeitung zusammengeführt werden. Aber auch hier gilt: Erst einmal nur die Ideen notieren. Beispiel:

  • Alien-Raumschiff

  • Roboter, Cyborgs

  • Fenster mit Blick in den Weltraum

Themenschwerpunkt festlegen


In diesem Schritt legen Sie fest, was der eigentliche Schwerpunkt des Shootings sein soll. Das ist wichtig, damit Sie im weiteren Verlauf nicht zu viel Energie (oder Geld) auf Details verschwenden, die für das Gelingen des Shootings eher nebensächlich sind.

Charakter

Die darzustellende Figur ist der Mittelpunkt des Shootings. In diesem Fall ist natürlich die spätere Model-Auswahl extrem wichtig, da eine Kompatibilität zur Vorlage vorhanden sein muss. Bedenken Sie bitte (z.B. bei einer Filmheldin), dass das Model optisch nicht genauso wie die Schauspielerin aussehen muss. Es sollte jedoch vom Typ her kompatibel bzw. ähnlich sein. (z.B. Gesichtsausdruck, Körperhaltung, Größe, Frisur)

Aber auch hier haben Sie natürlich Ihren persönlichen Interpretationsspielraum: Ein Schneewittchen oder eine Lara Croft mit blonden Haaren kauft Ihnen niemand ab. Eine dunkelhäutige Besetzung dieser Figuren könnte allerdings hochspannend sein.

„Spirit“ bzw. Stimmung

Die späteren Bilder sollen die Atmosphäre bzw. die Stimmung der Vorlage transportieren. Folglich steht also eher die Location bzw. die zu verwendenden Accessoires/Outfits im Vordergrund. Legen Sie Ihr Augenmerk auf die nachfolgende Auswahl von authentischer Kleidung bzw. Waffen oder einer „Schwarz-Weiß-Location“. Diese Elemente sind hier wesentlich wichtiger als das Model.

Story

Sie greifen Fragmente der Geschichte Ihrer Vorlage auf und erzählen einzelne Szenen mit Ihren Bildern nach. Das tatsächliche Verhältnis (Charakter vs. Stimmung) hängt im Wesentlichen von der Geschichte ab.

Beispiele

Hier habe ich einige (bereits durchgeführte) Shootings einmal gegenübergestellt:

Thema

Anteil Model

Anteil Outfit/Accessoires

Anteil Location

Schwerpunkt

 

Audrey Hepburn

80 %

15 %

5 %

Charakter

Audrey (Model: Luiza)

Film Noir

20 %

60 %

20 %

Spirit

Film Noir (Model: Dunja)

Snow White

30 %

50 %

20 %

Story

Snow White (Model: Dunja)

Tomb Raider

60 %

30 %

10 %

Charakter

Tomb Raider (Model: Alice)

Bei einem Shooting zum Thema „Film Noir“ habe ich z.B. einen Riesenaufwand bei der Auswahl des Models betrieben. Im Verlauf der weiteren Planung stellte sich dann heraus, dass die verwendeten Kleider, die Lichtstimmung und die Location den eigentlichen Charme der Bilder ausmachten. Auch wenn ich bei diesem Shooting ein tolles und sympathisches Model zur Seite hatte, wäre es bei diesem Thema durchaus austauschbar gewesen.

Budget kalkulieren


Damit keine Missverständnisse aufkommen: Themen-Shootings können richtig ins Geld gehen. Diesen Punkt hatte ich bei meinen ersten Themen-Shootings gnadenlos unterschätzt, und die Shootings waren am Ende wesentlich teurer als ich ursprünglich angenommen hatte. Ich habe teilweise in Summe bis zu € 500,- (für ein einziges Shooting) aufgewendet.

Natürlich haben Sie hier und da Möglichkeiten, die Kosten niedrig zu halten, aber es hilft ungemein, wenn Sie stets den Überblick behalten. Setzen Sie sich daher, abhängig vom Thema, persönliche Limits für die einzelnen Kostenblöcke. Die einzelnen Punkte werden später noch ausführlich besprochen.

Hier ein Beispiel zum Thema „Rotkäppchen“:

  • Model: TfP oder Pay (max. € 30,-/h à bei 5 Stunden also max. € 150,-)

  • Location: Wald oder Burgruine (max. Eintritt € 5,-/Person à bei 4 Personen also max. € 20,-)

  • Outfit: Mittelalterliches Kleid fürs Rotkäppchen (ebay) à max. € 50,- / roter Umhang (ebay) à max. € 20,-

  • Accessoires: Körbchen à max. € 10,-

  • Wolf: Hund vom Nachbarn, Süßigkeiten (Nachbar/Hund) à max. € 20,- oder Wolf im Wildpark fotografieren (Composing), Eintritt à max. € 10,-

  • Knabbereien, Getränke für die Teilnehmer des Shootings à max. € 20,-

Wenn Sie die gesammelten Daten in einer kleinen Tabelle gegenüberstellen, wissen Sie sofort, was das geplante Shooting minimal bzw. maximal kosten wird:

 

min

max

Model

0,-

150,-

Location

0,-

20,-

Outfit

70,-

70,-

Accessoires

10,-

10,-

Wolf

10,-

20,-

Verköstigung

20,-

20,-

 

110,-

285,-

Natürlich sind diese Werte nicht in Stein gemeißelt. Vielleicht können Sie ja später ein passendes Pay-Model für € 20,-/h engagieren oder die Verwaltung der Burgruine verlangt vielleicht gar keinen Eintritt etc.

Wichtig ist jedoch, dass Sie eine Vorstellung davon bekommen, was finanziell auf Sie zukommt bzw. zukommen kann.