Themen-Shootings - Konzept

Einer der schlimmsten Fehler bei meinen ersten Themen-Shootings war, dass ich zwar tolle Ideen für die Settings im Kopf erarbeitet hatte, diese jedoch am Set nicht mehr im Detail abrufen konnte. So brachte ich Settings und Licht-Setups durcheinander, richtig gute Bilder waren am Ende wohl eher Zufallstreffer.

Aufbau


Mit einem vernünftigen Konzept haben Sie stets einen roten Faden in ihrem Shooting und überlassen, "wenn's ernst wird", nichts dem Zufall. Je nachdem, wie detailliert Sie bereits Vorarbeit (z.B. bei der Themenanalyse) geleistet haben, ist ein gutes Konzept in kurzer Zeit erstellt. Der Grundaufbau ist einfach:

Was? - welche Szene

Wie? - Outfit, Styling, Accessoires

Wo? - Foto-Lokation

Wann? - Reihenfolge

Szenenauswahl (Was?)


Die Szenen, die für Sie interessant sind, haben Sie bereits im Vorfeld in der Themenanalyse ermittelt. Kategorisieren Sie nun die Szenen in

Notwendig (= Must have)

Das sind die Szenen, die Sie auf jeden Fall abbilden wollen. Diese bilden den Kern Ihres Shootings. Beschränken Sie sich hier auf maximal 3 oder 4 Szenen.

Wichtig (= Will have)

In diese Kategorie fallen die Szenen, die Sie auch noch gerne integrieren wollen, bei denen es aber nicht schlimm ist, wenn die eine oder andere wegfällt.

Lückenfüller (= Nice to have)

Hier sind die Szenen gemeint, die für die Umsetzung des Themas nicht entscheidend sind. Diese werden nur implementiert, wenn Sie bzw. die anderen Beteiligten noch Zeit und Energie übrighaben.

Egal (= No matter)

Auf diese Szenen werden Sie höchstwahrscheinlich sowieso verzichten, entweder weil sie nicht interessant genug oder viel zu aufwändig sind. Sehen Sie sie als "Reserve-Reserve" oder sortieren Sie sie ganz aus.

Zuordnung (Wie? - Wo?)


Ordnen Sie nun die Outfits/Stylings/Accessoires, deren Verwendung Sie in der Themenanalyse geplant haben, den einzelnen Szenen zu. Anschließend sichten Sie Ihre im Vorfeld ermittelten Informationen bezüglich der Location (bzw. des Studios) und verteilen diese ebenfalls auf die geplanten Szenen.

Planung der Settings


Analysieren Sie mithilfe der in der Themenanalyse gesammelten Informationen zu den Settings (Bilder, Screenshots, Notizen) unter dem Gesichtspunkt der technischen Umsetzung. Stellen Sie sich Fragen wie:

  • ŸWelche Blitze müssen wo positioniert werden?

  • Wo benötige ich einen Helfer mit Reflektor?

  • Welche Hilfsmittel (z.B. Leiter, Stuhl) werden vor Ort benötigt bzw. sind vorhanden?

  • Was wäre für dieses Setting die passende Blende/Brennweite?

  • usw.

Ordnen Sie die „technischen“ Informationen den Settings zu bzw. zeichnen sie in Ihre Notizen/Vorlagen ein. Notieren Sie auch (noch) ungelöste Fragen (z.B. ob das Model überhaupt zu dieser speziellen Pose fähig ist oder ob noch irgendein Teil des Outfits fehlt)

Ein Beispielsetting finden Sie hier. Sie sollten pro Setting nur ein Blatt Papier verwenden, das erleichtert Ihnen das spätere Handling und auch die Durchführung des Shootings ungemein.

Zeitlicher Ablauf (Wann?)


Wenn Sie meinen vorhergehenden Empfehlungen gefolgt sind, haben Sie nun eine Lose-Blatt-Sammlung mit all Ihren geplanten Settings. Sortieren Sie diese nun in eine Reihenfolge unter Berücksichtigung folgender Prioritäten:

  • Styling des Models, z. B. Schminke, Haare (das ist erfahrungsgemäß der zeitintensivste Punkt)

  • Outfit des Models - Wann ist ein komplettes Umziehen erforderlich?

  • Licht-Setup - Blitze, Reflektoren, Zubehör

  • Foto-Lokation - Wann ist ein Ortswechsel an der Location erforderlich?

  • Setting-Kategorie: Must have, Will have, Nice to have

Roadmap


Fassen Sie nun auf einem gesonderten Blatt die Settings stichwortartig zu einer einfachen Roadmap zusammen und notieren zu jedem Setting die grob geschätzte Zeit, die Sie für das Fotografieren benötigen. Rechnen Sie bei einfachen Settings mit ca. 30 Minuten und bei komplexeren Setups 45-60 Minuten. Kalkulieren Sie unbedingt auch Pausen für Styling (ca. 30 Minuten) bzw. Umziehen (ca. 15 Minuten) ein.

Voila: Nun haben Sie mit Ihren vorbereiteten Settings und der Roadmap ein Konzept, mit dem Sie Ihr Themen-Shooting „wie am Schnürchen“ durchführen können. Hier ein Beispiel.

Vorbereitung des Shootings


Senden Sie dem Model die Roadmap, evtl. mit ein paar Beispielen, damit es die Chance hat, bestimmte Posen oder Mimiken einzuüben. Noch offene Fragen bez. Outfit oder Style können dann noch rechtzeitig vor dem Shooting geklärt werden. Für die einfache Kommunikation mit den am Shooting Beteiligten verwende ich gerne eine WhatsApp-Gruppe. So sind alle sofort informiert, und keiner kann vergessen werden.

Erstellen Sie eine Liste, aus der hervorgeht, wer was am Shooting-Tag mitbringt (z.B. Outfits, Zubehör, Getränke, Knabbereien) und senden Sie den Beteiligten. Ein paar Tage vor dem Shooting und am Tag des Shootings morgens hören Sie bei allen Beteiligten nochmal nach, ob alles in Ordnung ist, der Termin steht und ob der Transport zur Location geregelt ist.

Snow White (Model: Dunja)

Durchführung des Shootings


Das Shooting selbst kann nun - aufgrund der sorgfältigen Vorbereitung - recht entspannt angegangen werden. Sie wissen genau, wann Sie was machen wollen und können die anderen Beteiligten anleiten. Erfahrungsgemäß weichen die im Vorfeld kalkulierten Zeiten Ihrer Roadmap natürlich von der tatsächlich benötigten Dauer ab. Wenn Sie schnell mit Ihren Settings durchkommen, haben Sie die Möglichkeit, z.B. noch ein paar „Nice-To-Have“-Settings ad-hoc einzubauen bzw. wenn sich in der Umsetzung ein Setting aufwändiger als geplant gestaltet, können Sie das ein oder andere (nicht so wichtige) Setting streichen.

Noch ein wichtiger Tipp: Versuchen Sie nicht, ein Vorlagenbild 1:1 zu kopieren, das wird nie richtig funktionieren. - Denken Sie daran, dass die Vorlage nur zu Ihrer Inspiration dient und Sie das Thema (bzw. die Vorlage) interpretieren.