Themen-Shootings - Komponenten

Lassen Sie uns einen Blick auf die erforderlichen Bestandteile eines Themen-Shootings werfen.

Das Model


Der wichtigste Tipp zu Beginn. Machen Sie niemals ein Themen-Shooting mit einem Model, das Sie nicht kennen. Egal, wie eindrucksvoll die MK-Sedcard gewesen ist oder wie toll das Model aussieht: Wenn das Model beim Shooting eine Pistole oder ein Schwert nicht glaubwürdig halten kann oder von der Persönlichkeit her nicht zu Ihrem Thema passt, ärgern Sie sich später beim Sichten der Bilder schwarz (ist mir schon zweimal passiert) - und haben im schlimmsten Fall eine Menge Geld und Zeit versenkt.

Möchten Sie ein (Ihnen) unbekanntes Model für Ihr Themen-Shooting engagieren, planen Sie zeitnah ein „klassisches“ Test-Shooting (z.B. Portrait/Lifestyle) ein. Das erhöht zwar (bei einem Pay-Model) Ihr Budget, Sie lernen jedoch das Model kennen und werden schnell feststellen, ob es zu Ihrem Thema passt. - Sollte dies nicht der Fall sein, können Sie sich für das eigentliche Themen-Shooting noch ein anderes Model suchen. Immerhin fallen für Sie „als Trostpreis“ noch ein paar schöne Fotos vom Test-Shooting ab.

Dem Thema Model habe ich hier ein eigenes Tutorial gewidmet.

Begleitperson(en)/Helfer


Obwohl eine Begleitperson von einigen Fotografen (warum auch immer) als störend empfunden wird, kann ich Ihnen bei Themen-Shootings nur den dringenden Rat geben, eine (oder besser mehrere) Begleitperson(en) einzuplanen. Sie werden jede helfende Hand brauchen können, außerdem fühlt sich das Model von vorneherein sicher, und einige Male konnte ich die Begleitpersonen sogar ins Shooting (als Komparsen) integrieren.

Bei einem meiner ersten Themen-Shootings (Little Red Riding Hood, auch als „Rotkäppchen“ bekannt) bin ich mit dem Model allein in den dunklen Wald gezogen. Es war Schwerstarbeit: Ich schleppte einen Großteil der Ausrüstung, jedes Mal, wenn ein Reflektor benötigt wurde, musste ich ihn an irgendwelchen Zweigen oder Bäumen festbinden (hat fast nie richtig gepasst), ständig waren Blätter vor den Blitzen oder vor dem Model. - Es war sehr mühsam, und ich konnte mich nicht richtig auf das eigentliche Shooting konzentrieren, da ich dauernd mit Sekundär-Aufgaben beschäftigt war.

Aufgrund dieser Erfahrung habe ich gelernt, dass es bei Helfern in Bezug auf Themen-Shootings eine einfache Regel gibt: Je mehr Helfer am Shooting mitwirken, desto besser. Fragen Sie in Ihrem Bekanntenkreis einfach nach, ob jemand Lust hat, an einem Themen-Shooting mitzuwirken. Sie werden überrascht sein, wie hoch das Interesse sein wird. Als Alternative bietet sich auch die Zusammenarbeit mit einem anderen Fotografen an, was den Vorteil bietet, dass sich Ihr Budget schlagartig halbiert.

Visa


Ob Sie sich beim Themen-Shooting von einer Visagistin unterstützen lassen (was natürlich Ihr Budget erhöht) oder ob Sie das Styling dem Model überlassen, steht Ihnen selbstverständlich frei. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass - gerade bei ausgefallenen Themen - eine professionelle Visagistin Gold wert ist. Allerdings sind richtig gute (und bezahlbare) Visagistinnen mitunter schwerer zu finden als gute Models.

Gute Visagistinnen sind oft auch gute Stylistinnen und können Sie bei den Outfits und den Arrangements beraten und unterstützen. Die meisten Models können sich zwar in der Regel recht gut selbst schminken, mit einer geübten Visagistin können sie jedoch nur in seltenen Fällen mithalten.

Auch hier gilt: Arbeiten Sie bei einem Themen-Shooting nur mit einer Ihnen bekannten Visagistin zusammen. Die Stundensätze einer Visagistin liegen normalerweise unter denen des Models, für € 20,- bis € 25,-/Stunde sollten Sie eine gute Visagistin buchen können. Ich hatte auch schon mit teureren „Visas“ zu tun, besser waren die jedoch meiner Meinung nach nicht.

Outfits


Machen Sie nicht den Fehler, an authentischen Outfits zu sparen. Es gibt nichts ärgerlicheres als ein ruiniertes Themen-Shooting durch den Einsatz von Billigst-Klamotten aus dem Supermarkt, deren Preis man später auf den Bildern erkennen kann. Suchen Sie sich lieber Kleidung, die möglichst nah an Ihre Themenvorlage herankommt, im Internet (z.B. bei Ebay). Hier können Sie mitunter sehr schöne Kleidung für relativ kleines Geld erstehen. Gegebenenfalls sollten Sie noch ein paar Änderungen durch einen Schneider vornehmen lassen.

Eine schlechte Wahl sind billige Outfits aus dem Karneval-Versand, da sie oft nur in minderwertiger Qualität und meist überteuert im Handel zu finden sind. 50,- bis 100,- müssen Sie für ein ordentliches Outfit schon einkalkulieren. Mit professionellen Kostümverleihen habe ich leider keine Erfahrung, da mir die Preise für die - qualitativ sicherlich spitzenmäßigen - Kostüme mit € 100,- bis € 300,- für ein Wochen­ende einfach zu hoch erscheinen.

Wenn Sie nicht vorhaben, die Outfits zum Thema zu einem späteren Zeitpunkt nochmals zu verwenden, können Sie hochwertig zusammengestellte (und evtl. angepasste) Kleidung nach dem Shooting problemlos mit wenig Verlust auch wieder bei Ebay veräußern.

Accessoires


Genau wie beim Outfit sollten Sie bei der Auswahl der Accessoires (Schmuck, Waffen etc.) den Schwerpunkt auf Authentizität legen - und auch hier nicht am falschen Ende sparen.

Beispielsweise können Sie eine Spielzeugpistole für weniger als € 10,- erstehen, meine Empfehlung lautet allerdings, sich im Softair-Bereich umzuschauen. Hier finden Sie für ca. € 30,- bis € 40,- Pistolen, die nur noch Profis von echten Waffen unterscheiden können. - Meiner Meinung nach eine echte Investition, die Sie auch in späteren Produktionen wiederverwenden können.

Bitte beachten Sie, dass diese Waffenmodelle in Deutschland als „Anscheinwaffen“ gelten, deren Mitführen strafbar ist. - Also am besten nur im Studio oder an nicht einsehbaren Locations verwenden!

Location


Die Location muss natürlich dem Thema entsprechen, klar. Vergessen Sie jedoch nicht, sich eine Erlaubnis, an Ihrer Wunsch-Location ein Shooting durchzuführen, einzuholen - sonst kann es Ihnen (wie mir) passieren, dass Sie mit voller Ausrüstung, Model und Helfern am Shooting-Ort eintreffen und erstmal einen wachsamen Parkwächter eine halbe Stunde lang davon überzeugen müssen, dass es sich um ein privates Shooting handelt. Fragen Sie lieber vorher beim Grundstückseigentümer, der Stadtverwaltung oder dem entsprechenden Förderverein (freundlich) nach und lassen sich die Erlaubnis (per Email) bescheinigen.

On Location

Bei einem Outdoor-Shooting sollten Sie immer einen „Plan B“ in der Tasche haben, da Sie hier gänzlich dem Wetter ausgeliefert sind. So eignet sich für das Thema „Film-Noir“ eine Gasse mit Kopfsteinpflaster und alten Häusern. - Sollte es am Shooting-Tag wie aus Eimern gießen, könnten Sie unter eine (alte) Brücke ausweichen. Wichtig ist hier, dass Sie die Locations vorher schon besichtigt haben und die „Plan B“-Location nicht zu weit von der eigentlichen Location entfernt ist.

  • Suchen Sie die Location(s) auf und machen Bilder von den Stellen, an denen Sie sich die späteren Settings vorstellen können.

  • Machen Sie sich Notizen zu den örtlichen Gegebenheiten (z.B. Lichtverhältnisse, Publikumsverkehr).

  • Achten Sie auf bestimmte Eigenheiten oder besondere Gegebenheiten an der Location (z.B. Leiter, Geländer), damit Sie diese später in Ihre Settings einbauen können.

  • Überlegen Sie, wie sich unterschiedliche Lichtbedingungen wie strahlender Sonnenschein oder bewölkter Himmel auf Ihre Plan-Location auswirken.

Prüfen Sie außerdem, wo Sie eine „Support-Zone“ platzieren können, also eine Stelle, an der Sie Ihre Ausrüstung und Kleidung während des Shootings - am besten in Sichtweite - unterbringen können, und wo sich das Model vorbereiten bzw. umziehen kann.

Studio

Einen „Plan B“ benötigen Sie natürlich nicht, wenn Sie das Shooting in einem Studio abhalten. Hier sind Sie vom Wetter unabhängig, allerdings belastet die Studiomiete natürlich zusätzlich Ihr Budget, außerdem sind Sie in Ihrem Bewegungsspielraum eingeschränkt. - Große und bezahlbare Mietstudios finden Sie in der Regel eher außerhalb der City. Hier lohnt es sich durchaus, ein paar Kilometer zu fahren und dafür nur die halbe Studiomiete in Ihrem Budget zu berücksichtigen.

Da es sich um ein Themen-Shooting handelt, werden Sie Ihre Settings vor neutralem Hintergrund (weiß, schwarz, grau) aufnehmen und in der Nachbearbeitung im Rahmen des Composings die Bildhintergründe einmontieren. Achten Sie bei den Settings unbedingt darauf, dass Sie in Ihren Bildern stets einen hohen Kontrast zwischen Model und Studio-Hintergrund haben. Ein hellblondes Model vor einem weißen Hintergrund ist genauso schwierig bzw. langwierig freizustellen wie ein dunkelhaariges vor einer schwarzen Leinwand.

Sollten Sie bezüglich der Hintergründe im Studio keine Auswahl haben, kann Ihnen folgender Tipp helfen: Positionieren Sie einen Blitz hinter das Model und blitzen Sie es von hinten an. - Je weiter das Model vom Hintergrund entfernt ist, desto dunkler wird er. So bekommen Sie eine weiße Wand problemlos schwarz. Umgekehrt können Sie mit dem Blitz den Hintergrund anblitzen und somit aufhellen. Je nach Blitzstärke können Sie so bei einer schwarzen Leinwand einen weißen Hintergrund „rausblitzen“. Je nach Größe des Hintergrunds bzw. des Bildes sollten Sie noch einen zweiten Blitz zu Hilfe nehmen.

Auch bei einem Studio-Shooting sollten Sie sich vorher mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut und Notizen machen.

Technik


Eine spezielle technische Ausrüstung ist für die Durchführung eines Themen-Shootings definitiv nicht erforderlich. Kamera, Objektiv und ein wenig Licht-Equipment - das ist auch schon alles, was Sie benötigen.

Kamera

Eine teure Profi-Vollformat-DSLR brauchen Sie definitiv nicht. Eine halbwegs gute Einsteiger-DSLR oder eine (günstige) Systemkamera reicht völlig aus. Da bei einem solchen Shooting meistens entfesselt geblitzt wird, sollten Sie - sofern Sie ein Funksystem zur Blitzansteuerung benutzen wollen - darauf achten, dass Ihre Kamera mit einem Standard-Blitzschuh ausgestattet ist, ggf. benötigen Sie noch einen Blitzadapter für Ihr Kameramodell.

Objektive

Die meisten meiner Themen-Shootings habe ich mit einer Blende von 5,6 bis 11 und einem Brennweitenbereich von 35mm bis 85mm durchgeführt. - Also Parameter, die jedes billige Zoom-Objektiv bietet.

Ich persönlich bin ein Fan von Festbrennweiten, inzwischen wickle ich meine Shootings meistens mit einem einzigen Objektiv (50 mm) ab.

Hier noch ein ultimativer Budget-Tipp: Sind Sie (wie ich) normalerweise nur mit Festbrennweiten unterwegs und benötigen nur ab und zu mal ein Standard-Zoom, schauen Sie mal bei Ebay nach dem Nikon 28-80mm f/3.3-5.6G. Für sage und schreibe weniger als 50,- können Sie ein Objektiv mit einer ziemlich komfortablen Brennweiten-Abdeckung erstehen. Das Ding ist komplett aus Plastik und fühlt sich an wie aus dem Kaugummi-Automat - ist aber schnell, wiegt nichts und macht fantastische Bilder (Ken Rockwell lobte dieses Objektiv ungemein).

Blitze

Entfesseltes Blitzen ist das A und O beim Themen-Shooting. Einen wirklichen Budget-Tipp zum günstigen mobilen Blitz finden Sie in meinem Tutorial Bare Bulb-Blitz.

Auf Basis meiner Yongnuo-Blitze entschied ich mich für das passende Funksystem. Der Riesenvorteil besteht darin, dass die Blitze den Funkempfänger bereits eingebaut haben. Sie benötigen lediglich einen Sender. Diese kosten im Doppelpack < € 30,-. Der Doppelpack ist sinnvoll, da Sie einen Sender fest auf die Kamera setzen und mit dem anderen unabhängig das Blitzsetup testen können. Natürlich können Sie auch optisch entfesselt blitzen, dann benötigen Sie das Funksystem nicht. Allerdings müssen dann Kamera und Blitz(e) stets Sichtkontakt haben.

Lichttechnik

Ich habe schnell gelernt, dass für ein vernünftiges Lichtsetup Reflektoren elementar wichtig sind. Sie erhalten ein (großes) Falt-Reflektoren-Set für < € 20,-. Damit sind Sie flexibel und mobil, und aufgrund der Größe eignen sie sich auch als Sichtschutz, und das Model kann sich auch on Location hinter einem solchen Teil umziehen.

Unter dem Gesichtspunkt der Mobilität sind günstige Durchlicht- bzw. Reflexschirme für unter € 20,- natürlich allererste Wahl. Möchten Sie jedoch mit Softboxen arbeiten, empfehle ich sogenannte „Umbrella“-Varianten. Die sind zwar etwas teurer als ihre statischen Vertreter, dafür aber mobil und genau wie die Schirme in Sekunden einsatzbereit. (hier gibt's z.B. eine Softbox für ca. € 60,- oder eine Oktabox für ca. € 100,-)

Für ein umfangreiches Licht-Setup benötigen Sie 2 bis 3 Lampenstative. Hier kommen bei mir Stative aus dem mittleren Preissegment zum Einsatz. Diese hier liegen bei ca. € 40,-. Die ganz billigen für ca. € 20,- sollten Sie meiden, da sie sehr klapprig sind und keine 3 Shootings überleben.