Models









Früher wurden Models als "Mannequin" bezeichnet, deren Hauptaufgabe es ist, "sich unter optischem Einsatz des eigenen Körpers zum Zwecke der Vorführung oder Präsentation einer Sache oder Dienstleistung zu präsentieren".

Ihnen als Fotograf obliegt es, das Model während des Shootings optimal in Szene zu setzen, damit es dies auch optimal umsetzen kann. Und hier liegt die eigentliche Herausforderung: Manche Fotografen (so wie ich) bereiten sich detailliert auf ein Shooting vor und arbeiten mit einem Drehbuch oder einem Leitfaden, viele andere gehen ein Shooting locker und ohne Vorbereitung an (was überhaupt nicht mein Ding ist).

Ich stelle mir vor jedem Shooting immer die Fragen: "Was ist das Model für ein Typ?" - "Welche Posen könnten zu diesem Model passen?" - "Kann sich das Model selbst schminken oder benötige ich Unterstützung durch eine Visagistin?" - "Habe ich (aktuelle) Bilder vom Model, mit denen ich planen kann?"

Motivation


Sie als Fotograf müssen das Model durch das Shooting führen. Das Schlimmste, was einem Model passieren kann, ist Unsicherheit oder Hektik beim Fotografen während des Fotoshootings.

Handelt es sich um ein praxiserfahrenes Model, beherrscht es normalerweise verschiedene Posen und passt sich schnell den Erwartungen und Wünschen des Fotografen an. Fehlt jedoch eine klare Anleitung bzw. Anweisungen von ihrer Seite, besteht die Gefahr, dass sich das Model schnell langweilt und einfach seinen gewohnten Shooting-Ablauf abspult.

Neben Ihrem fotografischen Können tragen Sie als Fotograf die Verantwortung, dass sich das Model während des Shootings wohl fühlt. Egal, ob TfP-Shooting mit einem Anfänger-Model oder Pay-Shooting mit einem professionellen Model, die Motivation und das Engagement des Models entscheiden darüber, ob ein Fotoshooting erfolgreich ist und Sie mit tollen Bildern belohnt werden.

Ein ansteckendes Lachen wird gemeinsam mit einer sympathischen Ausstrahlung wahre Wunder bewirken. Sie sind nicht nur Fotograf, sondern gleichzeitig auch Animateur, Ihre eigene Begeisterung, Laune und Kreativität wirkt sich direkt auf das Model aus. Lassen Sie es an Ihrer Welt teilhaben und genießen Sie gemeinsam Ihre Freude am Fotografieren.

Geizen Sie während des Shootings nicht mit Komplimenten, jedes Model freut sich über Ihre Bestätigung:

  • "Klasse, das machst Du perfekt. - Gleich noch eins."

  • "Einfach super. - Mit Dir kann man gar keine schlechten Bilder machen."

  • "Deine Augen sind der Hammer, jetzt noch ein Close-Up."

  • "Perfekt. - DAS ist großes Kino."

  • Bilder sagen mehr als tausend Worte. Zeigen Sie dem Model zwischendurch (so etwa alle 10 Minuten) die gemachten Bilder - die Kameravorschau reicht völlig.

  • Erläutern Sie, was Ihnen gefällt und überlegen Sie gemeinsam, was man noch verbessern kann.

  • Machen Sie kurze Pausen, wenn Sie merken, dass Konzentration oder Ausdauer beim Models nachlassen.

Model: Jenny

Pay- oder TfP?


Jede Variante hat ihre Vor- und Nachteile. Das wichtigste an einem Model für diese Art Shooting ist, dass Sie den Eindruck haben, dass sich das Model mit dem Thema identifiziert und Spaß daran hat.

Vorteile Pay

  • Bei Pay-Models kann von einer umfangreichen Shooting-Erfahrung ausgegangen werden. Probleme mit zeitnaher Kommunikation oder Zuverlässigkeit sind eher selten zu erwarten.

  • Wahrscheinlich kann das Model einiges aus seinem Kleiderfundus zum Thema beitragen.

  • Die Bild-Nachbearbeitung findet in der Regel ohne Zeitdruck und entspannter statt. Auch wenn Sie dem Model einige Bilder zur freien Verfügung überlassen, steht es Ihnen frei, zu bestimmen, wie viele Bilder das letztlich sind bzw. wann sie diese zur Verfügung stellen.

  • Das Netzwerk eines semi-professionellen Models ist üblicherweise gigantisch, und nach einem beiderseits erfolgreichen Shooting können Sie sicherlich noch einige interessante Kontakte (Model-Kolleg(inn)en, andere Fotografen, Studios, Visagisten) abstauben.

Nachteile Pay

  • Pay-Models verlangen Stundensätze. Hier muss unterschieden werden zwischen semi-professionellen Models (= Modeln neben Beruf oder Studium) und „richtigen“ Profi-Models (hauptberuflich). Ich persönlich habe die besten Erfahrungen mit semi-professionellen Models (Preisspanne: ca. € 15,- bis € 35,-pro Stunde) gemacht. Zwar hatte ich auch schon ein paarmal „richtige“ Profis (Preisspanne: ab € 50,-/Stunde) vor der Kamera, meine - dem hohen Honorar entsprechenden - Erwartungen wurden allerdings nicht erfüllt. - Das Preis-/Leistungsverhältnis ist (für mich) bei den „Semis“ einfach besser, und sie sind auch meiner Erfahrung nach motivierter.

  • Bei „zu viel“ Shooting-Erfahrung besteht die Gefahr, dass sich bestimmte Posen/Ausdrücke „eingebrannt“ haben. - Das Model sieht dann auf jedem Bild gleich aus, unabhängig von Styling oder Outfit.

Vorteile TfP

  • Normalerweise hat man es hier mit Menschen zu tun, die - genau wie Sie auch - die Fotografie als Hobby betreiben und Spaß daran haben, vor der Kamera zu agieren. Motivation und Engagement fürs Thema dürften hier auf jeden Fall vorhanden sein. Da das Model die erzeugten Bilder wahrscheinlich auf seiner Sedcard oder Website veröffentlichen wird, ist es mindestens genauso stark wie Sie daran interessiert, gute Bilder zu produzieren.

  • Ein TfP-Model wird für seinen Einsatz üblicherweise nicht mit Geld, sondern mit Bildern bezahlt, somit ist dies definitiv die Budget-freundlichste Variante. Weiterhin spielt es keine Rolle, wie lange das Shooting dauert. Wenn Sie um eine oder zwei Stunden überziehen, läuft im Hintergrund keine Kosten-Uhr mit.

  • Zusammen mit einem TFP-Model können Sie neue Techniken ausprobieren und durch Experimentieren Ihr Wissen erweitern, ohne das Gefühl einer Fehlinvestition zu riskieren.

  • Nach ein paar (erfolgreichen) Shootings wird sich zwischen Ihnen und dem Model eine gewisse Vertrautheit einstellen. Man trifft sich auf eine Tasse Kaffee und entwickelt gemeinsam Ideen für weitere Fotoideen. - Und das ohne finanzielle Interessen.

Nachteile TfP

  • Auch wenn kein Honorar gezahlt wird: Unterschätzen Sie nicht den Aufwand der Bildbearbeitung nach dem Shooting. Sie können nämlich das Model nicht mit einer Handvoll Bilder abspeisen, 15 bis 20 (bearbeitete) Bilder sollten Sie dem Model für seine Mühen schon spendieren, und dies auch bitte recht zeitnah (max. 14 Tage nach dem Shooting). - Das kann mitunter recht stressig werden, wenn Sie (wie ich) pro Bild eine Bearbeitungszeit von ca. 1 Stunde einkalkulieren. - Gerade bei Composing-Shootings sind 1-2 Stunden pro Bild (zumindest bei mir) realistischer.

  • Erwarten Sie von einem TfP-Model nicht grundsätzlich dieselbe Professionalität, die Sie evtl. von Pay-Models gewohnt sind. Gehen Sie - gerade bei Anfängern - davon aus, dass zusätzlich zur ganzen Vorbereitung und technischen Umsetzung noch eine Betreuungs- und Anlern-Aufgabe (und manchmal auch ein Geduldsspiel) auf Sie zukommen. - Andererseits gibt es TfP-Models, die in Bezug auf Professionalität und Performance viele Pay-Models locker in die Tasche stecken: Unter den Top-3 meiner Lieblingsmodels befindet sich z.B. ein TfP-Model.

Auch ganz wichtig: Eine gewisse Vertrautheit zwischen Model und Fotograf ist absolute Pflicht. Führen Sie mit einem (für Sie) neuen TfP-Model ein aufwändiges Shooting durch, ist das Resultat reine Glückssache. Beim Pay-Model mag es noch halbwegs sicher sein, dass das Model posen kann bzw. zuverlässig ist, dennoch kann ich von einer solchen Vorgehensweise nur abraten.

Model-Akquise


Ob Sie ein Model mittels Job-Ausschreibung über die Model-Kartei oder Facebook akquirieren, ob Sie die hübsche Nachbarstochter anwerben oder ob Sie vielleicht schon ein Model im Kopf haben, mit dem Sie bereits zusammengearbeitet haben, bleibt natürlich Ihnen überlassen. Hier ein paar Tipps:

  • Vergessen Sie nicht, bei jedem interessanten (oder interessierten) Model kritisch zu hinterfragen, ob es auch wirklich zu Ihrem geplanten Shooting passt.

  • Wenn Sie ein Model per Job-Ausschreibung (z.B. in der Model-Kartei) suchen, verwenden Sie immer eine aussagekräftige und ausführliche Job-Beschreibung. Einen Beispieltext finden Sie hier. - Sie werden sich wundern, wie gut sorgfältig ausgeschriebene Shootings bei den Models ankommen. Ich hatte bis jetzt bei jeder Ausschreibung ca. 5-10 interessante Bewerbungen.

Ich meide bei meinen Shootings "professionelle" Akt-Models. Deren Stundensätze sind meistens jenseits von Gut und Böse, und für meine Art von Shooting eignen sie sich meiner Meinung nach nicht. Ich mache eine Erstkontaktaufnahme von der Sedcard des Models abhängig: Lachen mich dort hauptsächlich Po’s und Brüste an, scheidet das Model aus.

Abstand


Obwohl dieser Punkt eigentlich überflüssig sein sollte, möchte ich ihn dennoch hier erwähnen: Halten Sie professionellen Abstand zum Model.

Kein einziges Model, mit dem ich bis jetzt zusammengearbeitet habe, findet es toll, von Fotografen ungefragt angefasst zu werden. Wenn Sie eine Begleitperson oder eine Stylistin/Visagistin mit am Set haben, bitten Sie diese, ein paar verlorene Härchen oder eine Falte im Kleid zu richten. Ist niemand zur Hand, fragen Sie das Model vor jeder Berührung, ob das in Ordnung geht. - Das Model wird Ihre Zurückhaltung und Höflichkeit zu schätzen wissen. (siehe auch meine "Shooting-Regeln")