Makro-Fotografie









Ich war schon immer fasziniert von Bildern kleiner und kleinster Objekte oder Insekten, und irgendwann war es dann soweit: Ich beschloss, mich auch mit dieser Thematik zu befassen.

Bevor Sie nun losstürmen, und sich das nächstbeste, top-bewertete und superteure Makroobjektiv besorgen, lesen Sie zunächst einmal, wie Sie auch ohne bzw. mit minimalen Einsatz in diese spannende Nische der Fotografie einsteigen können.

Glauben Sie an Monster? - Dieses Wesen aus einem Horrorfilm entdeckte ich an einem warmen Herbstabend auf unserer Terrasse, als es - zu müde zum Fliegen - auf einem Handtuch rumkrabbelte.
Also baute ich schnellstens meine Ausrüstung auf und schoss ein paar Fotos von unserem Gast. - Anschließend gab es als Honorar fürs Posing einen Löffel mit Zuckerwasser, und schon ein paar Minuten später hob mein "Monster" mit aufgeladenem Akku wieder ab und düste in Richtung untergehender Sonne.

Fake-Makros


Sie können heutzutage "Makros" erzeugen, ohne auch nur einen einzigen Gedanken an Makro-Fotografie zu verschwenden - den modernen hochauflösenden Sensoren sei Dank.

Nehmen Sie einfach ein beliebiges Foto und vergrößern (= "croppen") einen kleinen Bildausschnitt daraus. (In meinem Beispiel habe ich die Blüte als "Makro-Motiv" gewählt.)

Sie glauben gar nicht, wie viele solcher Fake-Makros im Netz unterwegs sind, und nur jemand, der sich intensiv mit der Makrofotografie auseinandersetzt, wird den Fake als solchen erkennen.

Egal, widmen wir uns der "richtigen" Makro-Fotografie ...

Umkehrringe


Erstaunlicherweise kostet der Einstieg in die Welt der extremen Vergrößerung nur ein paar Euro: Umkehrringe (auch als Retroadapter bekannt) bekommen Sie für alle möglichen Kameragehäuse für unter 10,-. Es handelt sich um simple Alu-Ringe, die auf der einen Seite mit dem spezifischen Anschluss für die Kamera und auf der anderen Seite mit einem Schraubengewinde, das in das Filtergewinde des jeweiligen Objektivs (z.B. 52mm) passt, versehen sind.

Tipp: Sie sollten sich nicht für jedes Ihrer Objektive einen Umkehrring zulegen. Kaufen Sie lieber einen Adapter mit großem Durchmesser (z. B. 62 oder 67mm) und verwenden Sie Reduktionsringe für ein paar Euro, um den Durchmesser auf Ihre Objektive anzupassen.

Mit Hilfe des Umkehrrings wird das Objektiv falsch herum an der Kamera angebracht. Analog dem Effekt eines umgedrehten Fernglases wird das Motiv hier jedoch nicht verkleinert, sondern (mitunter extrem) vergrößert.

Das Ganze kann sinnvoll mit Objektiven einer Brennweite von 50mm oder weiter durchgeführt werden. - Längere Brennweiten neutralisieren den Vergösserungseffekt.

Natürlich sollte bedacht werden, dass bei dieser Methode auf jegliche Automatik verzichtet wird. Damit die Blende manuell eingestellt werden kann, muss das Objektiv über einen Blendenring verfügen. Eine Automatik-Plastik-Linse kann somit nur mit viel Gemurkse in der Retrostellung verwendet werden.

Auch der evtl. vorhandene Autofocus kann natürlich nicht genutzt werden. Die Scharfstellung erfolgt nicht wie gewohnt über den Focusring des Objektivs, sondern über die Veränderung der Entfernung der Linse zum Motiv. Die Licht-schluckende Wirkung bei weiten Brennweiten kann heutzutage meist problemlos durch höhere ISO-Werte ausgeglichen werden.

Um die - wirklich erstaunliche - Leistung der Retrostellung zu demonstrieren, habe ich ein kleines Experiment durchgeführt, bei dem ein Sack Blumenerde als Model herhielt:

Sehr spannend: Bei Verwendung des Retroadapters mit dem 50'er-Objektiv erreicht man die Vergrößerung eines "richtigen" Makroobjektivs (Bilder 2 und 3). Wird ein 28'er-Objektiv "retro" eingesetzt, steigt der Vergrößerungsfaktor nochmals gewaltig.

Hier noch ein paar Beispielbilder zum Thema "Retro", bei denen man deutlich die extrem geringe Schärfentiefe erkennen kann:

Zwischenringe


Zwischenringe (engl. extension rings) werden - wie es der Name schon andeutet - zwischen Objektiv und Kamera gesetzt und verändern so die Bildweite, also den Abstand zwischen der Bildebene (dem Sensor) und der bildseitigen Hauptebene (ungefähr dem Mittelpunkt des Objektives). Dadurch verändert sich die Naheinstellgrenze und der Abbildungsmaßstab wird vergrößert.

Genau wie bei Objektiven in der Retro-Stellung verliert man die Unendlichkeitseinstellung (in der Ferne kann nicht mehr scharf gestellt werden), Üblich sind Zwischenringe mit einer Breite von 36, 20 und 12 mm, die auch kombiniert werden können, also 36 + 20 + 12 = 68 mm.

Ein Set aus vernünftigen Zwischenringen mit Metallbajonett, TTL-Fähigkeit und "Durchschleifen" der Objektiv-Kamera-Kommunikation kostet ca. 50,- . Es gibt zwar auch Sets für 10,-, denen ich jedoch dank deren Plastikbajonette meine Objektive nicht anvertrauen würde.

Bei der Verwendung von Zwischenringen sollte man sich im klaren darüber sein, dass die Erhöhung der Distanz zwischen Objektiv und Kamera den Bereich, in dem die Kamera noch fokussieren kann, immer weiter einschränkt. Weiterhin wirken die Ringe lichtschluckend, d.h. ISO bzw. Belichtungszeit müssen hochgesetzt werden.

Auch mit Zwischenringen können - je nach Brennweite - beeindruckende Bildvergrößerungen erzielt werden.

Durch die Verwendung höherwertigerer Zwischenringe werden die Objektiv- und Belichtungs-Informationen an die Kamera weitergegeben, das Fotografieren ist so im Allgemeinen etwas komfortabler.

Vom Vergrößerungseffekt (und vom Preis her) her hat allerdings das Objektiv in Retro-Stellung die Nase vorn. - Das manuelle Scharfstellen, die extrem geringe Schärfentiefe und den Lichtverlust muss man bei beiden Makro-Varianten in Kauf nehmen.

Eine Variante von bzw. Alternative zu Zwischenringen ist das Balgengerät, bei dem man den Abstand zwischen Kamera und Objektiv variabel verstellen kann. Ein modernes Balgengerät (z.B. von Novoflex) kostet allerdings weit über 500,-, bei ebay sind gebrauchte ab etwa 100,- zu haben.

Telekonverter


Ähnlich wie Zwischenringe werden auch Telekonverter zwischen Kamera und Objektiv angebracht. - Im Gegensatz zu den Zwischenringen enthalten diese spezielle Linsen, mit denen die Brennweite des Objektivs verlängert wird.

Wird bei Zwischenringen und Retro-Einsatz die Abbildungsqualität des Objektivs nicht beeinträchtigt, wird sie bei Telekonvertern durch die zusätzlichen optischen Elemente eher negativ beeinflusst.

Außerdem sind gute Telekonverter mit Preisen von 300,- bis 500,- nicht gerade ein Schnäppchen...

Nahlinsen


Nahlinsen werden einfach vorne auf das Objektiv aufgeschraubt. Im Handel gibt es günstige Sets für unter 30,-, aber auch sehr hochwertige (z.B. von Raynox) für 50,- bis 70,-.

Der Hauptvorteil von Nahlinsen liegt in der einfachen Handhabung und der teilweise sehr guten Vergrößerungsleistung. Diese Vorteile erkauft man sich allerdings durch eine schwächere Abbildungsleistung (da zusätzliches optisches Element).

Ich persönlich gebe dem Umkehrring dank unschlagbarem Preis-/Leistungsverhältnis und einer Vergrößerungsleistung, die teilweise teure Makroobjektive toppt, den absoluten Vorzug.

Makro-Objektive


Makro-Objektive sind speziell für den Einsatz im Nahbereich konstruiert, können aber bedenkenlos in der herkömmlichen Fotografie verwendet werden. Die Optimierung der Optiken auf den Nahbereich hat natürlich ihren Preis - und das meine ich wortwörtlich, da für diese Linsen etwa das zwei- bis vierfache von herkömmlichen Objektiven der gleichen Brennweite aufgerufen werden.

Das hier gezeigte 60mm-Makroobjektiv schlägt mit ca. 580,- zu Buche, aufgrund der relativ kurzen Brennweite muss man schon sehr nah an das Motiv (ein paar Zentimeter) herangehen, um in den vollen Genuss der Makro-Vergrößerung zu kommen. - Für lebende Insekten eignen sich solche Brennweiten daher eher nicht.

Hier wird es ab einer Brennweite von ca. 100mm spannend, aber auch richtig teuer: Das 105'er Micro von Nikon liegt preislich bei ca. 870,-, das 200mm gar bei 1.580,-. Für jemanden, der hauptsächlich in der Makro-Fotografie unterwegs ist, mag das im Bereich des Machbaren sein, der Gelegenheits-Makro-Fotograf (wie ich) investiert sein Geld lieber anderweitig.

Nach eingehender Internet-Recherche bin ich auf ein bezahlbares - und hochwertiges - Makro-Objektiv gestoßen: Das Minolta MD Macro Rokkor 100mm f/4, das aktuell für 200,- bis 250,- bei ebay zu haben ist. (siehe auch "Alte Schätzchen")

Mit seinen 100 mm Brennweite stellt sich die Optik an meiner Fuji durch deren Crop-Faktor als 150'er Brennweite dar. - Für Makroaufnahmen ist das natürlich von Vorteil.

Als ich das Paket öffnete, musste ich erstmal schlucken: Das Teil ist an meiner kleinen Fuji ein Trümmer von Objektiv. (Im ersten Bild das Objektiv alleine, im zweiten Bild mit aufgeschraubtem Zwischenring und Streulichtblende) - Durch den Zwischenring kommt man bis auf ca. 20 cm an das Motiv heran.

Das Objektiv ist Haptik und Abbildungsleistung betreffend der Hammer. Der Fokusring lässt sich wunderbar bedienen, und der Fokusweg ist - Makro-spezifisch - sehr lang. Durch die auf dem Objektiv aufgedruckte Entfernungsskala hat man auch einen sehr guten Ansatz, in welcher Entfernung man die Kamera positionieren muss.

Hier ein paar Beispiele meiner ersten "Gehversuche" in der Makrofotografie, alle Bilder (bis auf das mit der Wespe) wurden frei Hand geschossen.