Böse Models?








Eine gleich vorweg: Bei ungefähr 90% der Models (egal ob weiblich oder männlich), mit denen ich bisher zusammengearbeitet habe, gab es überhaupt keine Probleme, die Shootings mit ihnen waren produktiv, haben Spaß gemacht und verliefen allesamt wie geplant.

Allerdings treiben mich die restlichen 10% regelmäßig zur Verzweiflung, und diese 10% gehören einer bestimmten Kategorie Models an, die scheinbar leider immer größer wird:

Unzuverlässige Models

Es gibt für mich als Fotograf nichts frustrierenderes, als wochenlang ein Shooting vorzubereiten, mir mögliche - und zum Model passende - Settings zu überlegen, diese zu planen und vorzubereiten, die komplette Logistik durchzuführen (z.B. Studio mieten, Location auskundschaften) - und am Tag des Shootings ohne Model dazustehen...

Leitfaden


Hier nun ein paar Tipps, die Ihnen (hoffentlich) helfen werden, meine schmerzlichen Erfahrungen mit unzuverlässigen Models zu vermeiden bzw. besser damit umzugehen.

Kontakt

Im Gegensatz zu vielen anderen Hobbyfotografen bemühe ich mich, meine Shootings gut vorzubereiten und strukturiert durchzuführen. Der typische zeitliche Ablauf vor einem Shooting sieht bei mir so aus:

  • 4-6 Wochen vor dem Shooting: Model-Akquise, Terminfestlegung (i.d.R. per Email)

  • ca. 3-4 Wochen vorher: Senden der Shootingidee (Stichworte) und ein paar Beispielbilder an das Model (Email, WhatsApp)

  • ca. 2 Wochen vorher: Absprache bez. Styling/Outfits (Email, WhatsApp)

  • etwa 2-3 Tage vor dem Shooting: kurzes Telefonat, letzte Absprachen

Alles in allem gibt es also vor dem Shooting ca. 4 Kontakte zum Model. Ich lege großen Wert darauf, dem Model nicht auf die Nerven zu fallen bzw. es gar zu "stalken".

Normalerweise sollten Sie dem Model 2 bis 3 Tage Reaktionszeit nach der Kontaktaufnahme einräumen. Hören Sie bis dahin nichts, fragen Sie einmal nach und bitten um Rückantwort innerhalb 1-2 Tagen. Bleibt das Model immer noch auf Tauchstation, sagen Sie das Shooting ab.

Der Tag davor

Finden Shootings am Wochenende vormittags statt, kann es, je nachdem, wie die Wochenendgestaltung des Models aussieht, vorkommen, dass die (oft jungen) Mädels am Abend zuvor toll feiern und ahnen, dass sie morgens nicht aus dem Bett kommen.

Erhalten Sie am Abend vor dem Shooting (meistens nach 22:00 Uhr) eine Nachricht über eine plötzliche Erkrankung, dringende familiäre Angelegenheiten oder sonstige Probleme, können Sie davon ausgehen, dass das Shooting gelaufen ist. - Die Wahrscheinlichkeit, dass das Model am nächsten Tag erscheint, ist jetzt extrem niedrig.

In einer solchen Situation können Sie gar nichts machen. Wenn Sie Glück haben, hat das Model morgens doch noch Lust und kommt zum Shooting, ich würde jedoch nicht davon ausgehen. - Fragen Sie am Shooting-Tag (am besten telefonisch) nach, wie es aussieht, warten Sie aber auf jeden Fall mit dem Packen der Ausrüstung bzw. dem Beladen des Autos, bis sie eine definitive Ab- oder Zusage haben.

Solche Geschichten sind besonders ärgerlich, wenn Sie ein Studio oder eine kostenpflichtige Location gebucht haben. Das Geld ist in jedem Fall verloren.

Selbstverständlich kann es mal vorkommen, dass jemand tatsächlich plötzlich erkrankt, ein verlässliches und ernsthaftes Model würde in einem solchen Fall immer anbieten, sich an den entstandenen Kosten zu beteiligen (was ich persönlich nicht annehmen würde). - Die Geste zählt.

Am Shooting-Tag

Egal, ob das Model seine Absage am Tag zuvor per Kurznachricht "vorbereitet" hat und eine Stunde vor dem Shooting (per Mail/WhatsApp/SMS) endgültig absagt oder ob es einfach überhaupt nicht zum Shooting erscheint: es ist die leichtfertigste und unfairste Variante, ein Shooting platzen zu lassen.

Auch in diesem Fall haben Sie keine Möglichkeit, noch zu reagieren: Sie können jetzt so schnell kein Ersatzmodel auftreiben, und eine Absage der Location/des Studios ist in den allermeisten Fällen kostenpflichtig.

Der GAU - was jetzt?


Das Shooting ist gelaufen, das Studio telefonisch abgesagt (mit dem Hinweis des Studio-Inhabers, dass die Miete trotzdem fällig ist), und Sie würden am liebsten irgendwas kaputtmachen. Und Ihr Ärger über das Model ist gigantisch...

keine Rache

Egal, wie (berechtigt) sauer Sie nun sind: Lassen Sie sich nicht dazu verleiten, mediale Rache am Model zu nehmen!

Böse Kommentare in Foren, schlechte Bewertungen auf Portalen usw. lassen Sie als Amateur oder Heulsuse dastehen. Außerdem handeln Sie sich für künftige Modelkontakte schnell den Stempel "kleinlicher Fotograf" ein.

Mit dem ersten Model, das mich versetzte, hatte ich nach dem geplatzten Shooting noch tagelang ein hitziges Email-Gefecht. Beschuldigungen, Rechtfertigungen, Beleidigungen, alles war dabei. Und was hat es mir gebracht? - Ich war anschließend noch frustrierter als vorher.

Ignoranz

Handeln Sie professionell und wenden Sie die einzige sinnvolle Maßnahme an, die Ihnen selbst ein besseres Gefühl verschafft:

Brechen Sie sofort jegliche Kommunikation mit dem Model ab. Antworten Sie nicht mehr auf irgendwelche Kontaktaufnahmen (sofern die überhaupt stattfinden). - Setzen Sie das Model auf Ihre persönliche "Ignore-Liste" und meiden Sie es künftig (in jeder Form).

Das große Ganze


Ich hatte es anfangs bereits erwähnt: Die allermeisten Models, mit denen ich bislang zu tun hatte, waren nett, zuverlässig und - genau wie ich - daran interessiert, schöne Fotos zu produzieren.

Verlieren Sie nach einem gescheiterten Shooting nicht den Blick aufs Wesentliche. Verbuchen Sie solche negativen Erlebnisse als Erfahrung und freuen sich einfach auf das nächste Shooting.